Raus mit Euch!

Raus mit Euch!

5 Tipps wie ihr Eure Kinder bei kaltem Wetter trotzdem nach draußen lockt

Draußen ist’s grau, kalt und nass. Es regnet seit Tagen, es ist soo kalt und die Sonne zeigt sich auch nicht?

NA UND? Raus mit Euch! Das Leben wartet auf Euch!

Ich weiß, auch einige wahre Draußenkinder wollen gerade lieber drinnen bleiben, als kalt und nass zu werden. Sogar Louise scheint mit sinkenden Temperaturen nahezu mit einzufrieren, sobald sie einen Fuß vor die Türe setzt. Doch mit diesen Tipps lockt ihr bestimmt auch euren kleinen Winterzwerg vor die Türe.

  1. Selbst enthusiastisch sein! Wenn Mama sagt: „Bääh, kalt!“ kann man von seinem Kind nicht erwarten, dass es freudig in seine Matschhose springt und sofort nach draußen will. Deswegen kommuniziert positiv und bringt eure Freude auch (glaubhaft!) rüber! „Coool, lass Pfützen springen!“ statt „Bääh, Regen!

  2. Mitmachen und Kind sein! Statt daneben zu stehen und zu frieren, während die kleinen 5 Meter pro Stunde zurücklegen, selbst aktiv werden! Wenn Mama nämlich einfach jeden Blödsinn mitmacht - selbst in den Matsch springt, Barfuß durch den Bach rennt, oder auf dem Popo den Schneehügel runterrutscht - leuchten alle Kinderaugen. Und als positiver Nebeneffekt haben wir uns auch noch bewegt und es ist weniger kalt.

  3. Kreativ sein! Es muss nicht immer der mega-Abenteuerspielplatz sein, der die Kleinen glücklich macht. Oft reichen kleine, für uns scheinbar unspannende Spiele, für große Rausgeh-Motivation. Ihr kennt Eure Kinder am besten. Sie bauen gerne? Dann ab in den Wald, ein Wichtelhaus bauen. Sie lieben Tiere? Dann spielt, dass ihr Tiere seid, die draußen spazieren gehen. Sie sind kreativ? Dann sammelt kleine Schätze, die ihr zuhause auf Papier klebt und später Oma schenkt.

  4. Keine Erwartungen haben! Lasst Eure Kinder bestimmen, wo ihr heute hin geht. Sie bestimmen, wo sie langlaufen, wo sie anhalten, und lasst Euch einfach mit treiben. So ist der Stress weg, ein bestimmtes Ziel zu erreichen und ihr werdet überrascht sein, was man rund ums Haus alles erleben kann!

  5. Essen geht immer! Nach dem Mittagessen gibt's bei uns oft einen Keks, oder eine Mini-Nachspeise. Die wird öfter mal nach draußen verlegt, um Louise so vor die Türe zu locken. Dann darf sie ihren Rucksack packen, Tee, Kuscheltier und Keks einpacken und draußen einen Picknickplatz suchen, wo sie heute ihren "Kuchen" essen darf.

Findet sie super. Wir auch.

Und wenn man dann noch Mamas Langlaufschuhe anziehen darf, hält einen doch nichts mehr in der Wohnung!

Das „Mindful Mountain“ – Programm. Drei Tage allein im Pitztal.

Das „Mindful Mountain“ – Programm. Drei Tage allein im Pitztal.

Einfach mal nur für mich sein.
Einen Rucksack packen, in dem sich nichts befindet, ausser mein minimalistisches Gepäck. Kein Spielzeug, keine Kinderflasche, keine Wechselkleidung.
Loslaufen, ohne eine Kraxe schultern zu müssen, ohne Rücksicht auf kurze Kinderbeine zu nehmen.
Ohne Kompromisse, ohne … Familie.

Lars war viel unterwegs in den letzten Monaten, ich war viel mit Louise alleine. Es funktioniert super mit uns beiden – es fühlt sich mittlerweile fast an wie eine kleine Mädels-WG, wenn Papa weg ist. Wenn er wieder da ist, ist es dementsprechend aber auch eine ziemlich Umstellung für uns drei, die nicht selten im Streit (bei uns) oder in Wut (bei Louise) endet.

„Fahr Du doch auch mal wieder weg!“ schlug Lars mir deswegen vor.
Er wollte auch mal exklusive Papa-Zeit mit Louise genießen. Ohne Mama, die immer alles besser weiß. Völlig verständlich und wichtig für die beiden.
Als sich dann die Möglichkeit bot, mit dem „Mindful Mountain“ – Programm drei Tage ohne Familie in den Pitztaler Bergen unterwegs zu sein, war ich sofort dabei.

 

Das „Mindful Mountain“ – Programm

 

 

„Neuartige Wege aus der Stressfalle“ lautete der Untertitel des Programms.
Grenzen überwinden, Achtsamkeit schulen, Resilienz üben. Zugegebenermaßen alles Themen, die ich aus Studium und Beruf schon ausgiebig kannte, aber diese Themen am Berg zu behandeln, erschien mir durchaus spannend.
Und dass das Leben als Mutter stressig ist, das weiß wohl jede von uns.
Eine Psychologin und ein Bergwanderführer sollten uns deswegen in den nächsten Tagen auf unseren Touren begleiten.
Denn Bergsteigen und Stressbewältigung, das ist ja an sich schon eine perfekte Kombination. Das ganze noch unter Anleitung, mit fixen Übungen und neuartigen Ideen – unschlagbar.

 

Per Bahn und Bus ins tiefste Tirol

 

Zunächst musste ich erstmal nachsehen, wo sich das Pitztal überhaupt befindet. Ein schmales Tal schien es zu sein, eingerahmt von hohen Gipfeln und eisigen Gletschern. Dass es dennoch so gut per Öffis zu erreichen war, erstaunte mich umso mehr.
In weniger als zwei Stunden Bahnfahrt saß ich schon im Bus, der mich höher und höher, tiefer und tiefer ins Tal hinein brachte. Immer steiler fielen die Bergflanken um mich herum ab. Das rauschen des Gebirgsbaches hörte ich sogar im Inneren des Busses. Entschleunigung pur, schon bei der Anreise.
Ein wenig aufgeregt war ich schon, als ich endlich das Hotel Gundolf kurz vor dem Talende erreichte.
Wie wird es wohl sein, mit fremden Mädels am Berg?

Meine Sorgen waren sofort zerstreut. Mit einem Kaffee saßen wir vier Teilnehmerinnen direkt den restlichen Nachmittag auf der Sonnenterrasse, ratschten, als ob wir uns schon ewig kennen würden.
Schon bald stießen auch Anna Maaß, die Psychologin und Philipp Eiter, ihr Cousin und unser Bergwanderführer dazu. Dass im Tal praktisch jeder mit jedem Verwandt ist, durften wir in den nächsten Tagen noch öfter erfahren.
Ich löcherte Philip direkt über seine Arbeit als Bergwanderführer, interviewte ihn über die Gipfel um uns herum und wollte alles wissen über das Leben hier im Tal. Das „Tal“, das immerhin auf 1700 Metern Höhe lag. Ein Hochtal, wenn man so will.

 

Achtsamkeit schulen: Im Wald

 

Nachdem wir uns alle besser kennengelernt haben, stand nach dem Abendessen schon unsere erste Einheit auf dem Programm: Achtsamkeit.
Wir spazierten im Sonnenuntergang in ein kleines Waldstück. Dort sollten wir fühlen, spüren, hören. Die Natur mit allen Sinnen wahrnehmen. Augen zu, Gefühle an. Kaum verwunderlich, dass schon hier bei den ersten Teilnehmerinnen die Tränen flossen. Das Konzentrieren auf sich selbst passiert leider viel zu selten. Und wenn, dann mit voller Macht. Aber dafür sind wir da. So soll es sein. Hier gibt es kein Werten, kein Beurteilen. Jeder darf sein. So wie er ist.

 

Grenzen überwinden: Brandkogel & Rifflsee

 

Am nächsten Morgen starteten wir in der Früh gemeinsam zu unserer Tour auf den Brandkogel. Phlipp und Anna erwarteten uns schon freudestrahlend und für mich war es eine Ehre, mit Einheimischen „ihre“ Berge zu erkunden. Der Rifflsee lag noch im Morgenlicht, wunderschön und still. Philip erklärte uns einiges zu der einzigartigen Gletscherlandschaft und wir kamen aus dem Staunen kaum heraus.

Nicht die Wanderung sollte heute die Herausforderung sein, sondern das, was uns am Gipfel des Brandkogel erwartete. Wie es so ist mit vier Mädels am Berg ging es rege schnatternd hinauf auf den Gipfel. Dort waren wir so überwältigt von der genialen Aussicht, dass wir unsere Tagesaufgabe im wahrsten Sinne des Wortes übersprungen haben.

 

 

Mut fassen: der Sprung über die Felsspalte

Kurz vor dem Gipfelkreuz zieht sich ein tiefer Spalt durch den Felsen.
Den sollten wir bewusst überschreiten. Unsere Emotionen, sie sich dabei bei uns freisetzen, nachfühlen. Einatmen, Ausatmen, Grenzen überwinden. Mut beweisen. Denkmuster durchbrechen.

Gut, wir sind einfach drüber gehüpft, machten Fotos, genossen die Aussicht, bis Philip uns darauf hinwies, dass wir gerade auf unserer persönlichen Achtsamkeitsübung stehen.
Auch in Ordnung. Die persönlichen Grenzen sind eben bei jede(r) unterschiedlich.
Ein Felsspalt macht mir wenig, dafür habe ich panische Angst vor tiefem Wasser. Andere Lebenswelt, anderes Denkmuster. Spannend, sich das bewusst zu machen.

Meine persönliche Grenze ergab sich dann auf jeden Fall danach beim gemeinsamen Kaiserschmarrn-Essen auf der Sunna-Alm. Ich war so satt, dass ich am liebsten ein kleines Mittagsschläfchen eingelegt hätte.
Nichts da, unsere nächste Einheit mit Psychologin Anna wartete auf uns.

 

Selbstwirksamkeit: Am Rifflsee.

Idyllischer als jeder Seminarraum der Welt.
Am anderen Ende des Rifflsees suchte sich jede von uns seinen persönlichen Sitzstein für unsere nächste Einheit: Selbstwirksamkeit.
Das Vertrauen in mich, schwierige Situationen erfolgreich meistern zu können und Herausforderungen gewachsen zu sein.
Wie erlange ich dieses Vertrauen? Wie erlebe ich stressige, schwierige Situationen?
Kann ich Hilfe zulassen, oder will ich alles allein bewältigen?
Ein Fragebogen sollte uns bei der Selbsteinschätzung helfen – im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über die Frage, wie jeder einzelne von uns Probleme angeht und löst.
Wir sind sehr offen miteinander, obwohl wir uns seit weniger als 24 Stunden kennen. Wir vertrauen uns, jeder darf sein. Eine wunderschöne Erfahrung.

Frühstück auf 3440 Metern

Das höchste für mich? Frühstück! Wenn das dann auch noch auf 3440 Metern über dem Meer stattfindet: doppelt hoch!
Schon lange vor Sonnenaufgang nahmen wir heute die erste Bergbahn hinauf in Richtung Pitztaler Gletscher. Im höchstgelegenen Café Österreich namens „Das 3440“, das zufällig Annas Papa gehört, durften wir heute den Tag beginnen. Da ist sie wieder, die feste Familienbande des Pitztals.

Bergführer Michael und Steffi vom Tourismusverband Pitztal sollten uns heute ebenfalls auf den Gletscher begleiten, die wir bei frischem Kaffee kennenlernen durften.
Gletscher? Bergführer? Richtig gelesen.
Heute erwartete uns das Highlight unseres „Mindful Mountain“ – Programmes: Eine Gletscher-Überschreitung inklusive dem Abseilen in eine Gletscherspalte.
Dass wir heute leider statt imposantem Bergpanorama nur dichten Neben sehen durften, tat unserer Vorfreude keinen Abbruch.

Wir zogen unsere Klettergurte und unsere Daunenjacken an und machten uns über einen felsigen Grat auf in Richtung Gletscher. Bergführer Michael achtete darauf, dass wir alle gut Schritt halten konnten und sich niemand überfordert fühlte.
Am Gletscher angekommen zogen wir uns Grödel an die Füße und stapften über das ewige Eis. Über uns die berühmte Wildspitze, unter uns das Taschachhaus, unser heutiges Ziel.

 

Ab ins Eis!

„Na, die ist doch schön!“ konstatierte Bergführer Michael bald und zeigte auf eine imposante Gletscherspalte direkt vor unseren Füßen. Im Handumdrehen schraubte er die Eisschrauben in das Eis, legte Karabiner und knotete das Zeil daran fest.
„Wer will zuerst runter?“ grinste er uns an. Meine Hand schnellte natürlich sofort in die Höhe. Ab ins ewige Eis! Für mich zugegebenermaßen dank verschiedener Eis- und Felskurse keine ganz neue Übung, weswegen sich mein Puls auch noch im Normbereich bewegte. Karabiner einhaken, langsam zurückgehen, Beine durchstrecken, und langsam hinunterlaufen. Unten erwartete mich schon Philipp, der es sich auf einer kleinen Gletscherbrücke bequem gemacht hat und uns zur im ewigen Eis zur Seite stand.

Stolz und gelöst erschien mir die Gruppe danach. Grenzen kennengelernt, Grenzen überwunden. Stärke, Mut und neues Selbstvertrauen gewonnen. Dass der Spaß bei unserer Gruppe niemals zu kurz kam, bewiesen spätestens die kleinen Tänzchen von Steffi und mir, die wir hin und wieder einlegten.
Am Taschachhaus angekommen erwartete uns ein Mittagessen mit einem ganz besonderen Ausblick: dem Blick zurück. Über den Gletscher, die Felszacken, bis hinauf zur Wildspitze. Wirklich einmalig schön.
Und dass wir den Weg zurück durchs Tal dann noch per Leih-Mountainbikes bezwingen durften, setzte unserem Tag die Krone auf. Statt 17 Kilometern wandern, sausten wir laut scherzend zurück ins Tal. Stolz und glücklich über unsere neuen Erfahrungen am Berg.

 

Demut

Für mich endete hier das Abenteuer „Mindful Mountain“.
Ich musste heim, die Kinderwunschklinik rief. Meine ganz persönliche Resilienz-Aufgabe momentan.
Rückschläge einstecken und wieder aufstehen. Immer wieder aufstehen.

Der Berg lehrt uns, demütig zu sein. Sich richtig einzuschätzen. Vertrauen zu lernen und auch Vertrauen zu schenken. In uns, in unsere Gruppe, in die, die uns Helfen können.
Der Berg schenkt uns Kraft. Kraft für Neues, Kraft für Unbekanntes.

Das war es wohl, was mich dieses Wochenende gelehrt hat.
Danke, an meine neue Bergfamilie.

Danke, Pitztal. Für deine ursprüngliche, reine Kraft, die mich ganz bei mir sein ließ.
Und Danke an Papa und Louise, die mich zuhause mit Apfelkuchen empfangen haben. Und insgesamt ein bisschen traurig waren, dass ihre Papa-Tochter Zeit schon wieder vorbei war.

 

 

WERBUNG: Das Mindful Mountain Programm ist direkt bei Philipp über seine Website www.piztours.at buchbar. Anna und Philipp bieten ein 3-, sowie ein 6-tägiges Programm an, teilweise auch nur für Frauen. Die Gruppengröße liegt bei 4-6 Teilnehmern. Normale Kondition ist ausreichend!

 

Der Feurige Tatzelwurm im bunten Kleid

Der Feurige Tatzelwurm im bunten Kleid

Herbstliche Wanderung hoch über Oberaudorf

Was wir ja alle im letzten Jahr unfreiwillig lernen mussten, war das: zuhause Bleiben.
Zum Glück ist’s bei uns zuhause sowas von schön, dass wir dadurch mittlerweile gar keinen Grund mehr sehen, uns von hier überhaupt wegzubewegen.
Es gibt so viel zu erwandern, „erradeln“, „erklettern“ und bald auch wieder „er-skitouren“, da reicht ein Radius von ein paar Kilometern rund um die eigene Wohnung komplett aus, um genügend Bergabenteuer erleben zu können.
Und dennoch hat man das Gefühl, überall viel zu selten zu sein.
Ganz besonders an den Tatzelwurm-Wasserfällen ist man viel zu selten, denn da ist’s einfach immer schön und noch dazu jeden Tag komplett anders.

Von Tanzwürmern und wilden Sagen

Doch was hat’s eigentlich auf sich mit diesem Tatzelwurm?
„Hä? Was fürn Wurm?“ fragt natürlich Louise direkt. „Ein Tanz-Wurm?“.

Der Tatzelwurm, der tanzt zwar nicht, aber um den ranken sich allerhand mystische Sagen.
Ein wildes Tier war er auf jeden Fall, ein Halbdrache mit wilden Klauen und dem Kopf einer Raubkatze (Tatzen) und einem reptilienartigen langen Körper (Wurm).
Bis zu zwei Meter soll er laut Augenzeugen lang gewesen sein, scharfe, spitze Zähne hatte er und noch dazu Fledermausflügel.
Gewohnt hat er angeblich oben in der Gumpeischlucht, an den heutigen Wasserfällen. Dort rauscht das Wasser tosend durch den Fels und stürzt sich über zwei Felssprünge hinab in Richtung Tal.
Arme Pilger, die den Auerbach entlang hinaufgepilgert sind, soll er verschlungen haben, während Rauch aus seinen Nüstern drang.

Wildes Wasser und bunte Wälder

Wir sind heute mit dem Fahrrad unterwegs. Unser Ziel: die Tatzelwurm-Wasserfälle. Von dort aus wollen wir hinüber wandern zum Berggasthof Hummelei.
Nachdem wir von Oberaudorf aus die steile Straße bis zum Tatzelwurm hochgestrampelt sind und unsere Radl geparkt haben, führt uns ein schmaler, wunderschöner Steig durch den bunten Herbstwald in wenigen Gehminuten hinab zu den Wasserfällen. Louise ist topfit und rennt voraus, denn die durfte ja bei mir am Radl sitzen, während ich nach der Bergfahrt erstmal eine kurze Verschnaufpause brauche.
Auf einer Holzbrücke stehen wir über den Wasser und können zuschauen, wie sich der Auerbach hier in die Tiefe stürzt. Wild sieht das Wasser hier aus. Laut und kalt und unberechenbar. Kaum zu glauben, dass dasselbe Wasser kurz danach bei uns zuhause als gemütlicher, kleiner Gebirgsbach vorbeifließt und im Sommer zum Baden und Staudamm Bauen einlädt.

Wir standen heute wirklich lang auf der Brücke, haben wirklich lang geschaut, aber wir haben keinen Tatzelwurm gesehen. Zum Glück.

Vom Tatzelwurm zur Hummelei

Und wir haben heute noch einiges vor! Wir radeln ein Stückerl weiter über einen Forstweg zurück in Richtung Oberaudorf. Oberhalb der Fahrstraße, die von Oberaudorf zum Tatzelwurm führt, schlängelt sich hier ein Weg entlang, den wir heute bis zu unserem Zielpunkt, dem Berggasthof Hummelei, wandern wollen.
Nach einiger Zeit verlassen wir den bunten Wald und treten hinaus auf eine Anhöhe, wo uns eine wunderschöne Aussicht auf den Wilden Kaiser vor uns und den Brünnstein zu unserer Rechten erwartet. Ein paar Kühe grasen gemütlich auf der Weide und wir machen es uns windgeschützt vor einem Holzstoß gemütlich und machen erstmal Brotzeit.

Unsere Radl lassen wir nämlich nun stehen und wandern zu Fuß weiter hinab zur Hummelei.
Über weite Wiesen geht es vorbei an schönen Bauernhöfen und alten Obstbäumen. Hühner picken in der Wiese, Schafe grasen nebenan und immer wieder spitzt der Wilde Kaiser durch die Bäume und belohnt uns mit beeindruckender Aussicht.

Wir passieren die Weiler Schweinsteig und Antritt und gelangen bald nach Ried, wo ein besonderes Highlight auf Louise wartet: die Alpakas.
Ganz oben auf der steil abfallenden Weide entdecken wir die lustigen, kuscheligen Tiere, zu denen wir natürlich noch einen kurzen Abstecher machen. Zum Glück stehen sie alle direkt oben am Zaun und scheinen schon auf uns zu warten. Neugierig mustern sie uns und Louise begrüßt sie lautstark: „Hey, Lamas, Servus! Ich hab Euch auf meiner Laterne!“

Sankt Martin naht, wir singen seit Wochen nichts anderes als Laternenlieder und dieses Jahr zieren flauschige Lamas Louises Kindergarten-Laterne.
Wie praktisch, dass wir die jetzt „ganz ganz in echt mit ohne Laterne“ hier oben am Berg treffen.
Nach einer zweiten Pause bei den Laternen-Tieren geht das letzte Stück der Wanderung steil bergab bis zum Berggasthof Hummelei, wo uns der beste Kaiserschmarrn von ganz Oberaudorf erwartet. Traumblick auf den Kaiser, Oberaudorf und das Inntal inklusive.

„Jetz hamma garkeinen Tanzwurm gesehen“ stellt Louise fest. „aber dafür Laternenlamas und Kühe. Mag ich eh lieber“
Na, da haben wir Glück gehabt. Und wenn wir wiederkommen, gibt’s bestimmt schon Schneelamas und die Wasserfälle ziert eine dicke Eisschicht. Denn wir kommen ja bald wieder, das haben wir uns ja eigentlich versprochen…

Wanderung vom Tatzelwurm zur Hummelei: gemütliche Wanderung, meist über Forstwege und Straßen, dank der Steilheit am Schluss (bergab!) aber nur bedingt kinderwagengeeignet.
6,7 km, 200hm rauf, 350hm runter. Zurück am besten per Bus (im Sommer), Fahrräder unten platzieren, oder auch die ganze Strecke per Rad bewältigen.

 

Wo die kleinen Wichtel wohnen

Wo die kleinen Wichtel wohnen

Familientaugliche Wanderung vom Luegsteinsee zum Grafenloch

Wer mit Kindern wandern gehen will, der kennt das Problem: Mama und Papa wollen die Natur erleben, wandern, Höhenmeter machen, Gipfel erreichen. Und die Kinder? Die wollen Stöcke sammeln, Schnecken beobachten und eigentlich am liebsten nach zehn Metern wieder Brotzeit machen.

Will man trotzdem weiter als bis zur nächsten Bank kommen, muss man sich deshalb oft einiges einfallen lassen.

Was bei uns (fast) immer hilft: Geschichten erzählen, Märchen erfinden.

So kommt es, dass ich mir am Berg oft eher als Alleinunterhalter vorkomme, der lauthals singt, rennt, springt und erzählt. Kasperletheater mit Berganschluss, sozusagen.

Hochmotivierte Wanderzwerge

Eine Wanderung, die es Eltern aber wirklich leicht macht, die Wanderzwerge zu motivieren, ist die Wanderung vom Luegsteinsee zum Grafenloch in Oberaudorf.

Sie ist mit 150 Höhenmetern eher kurz und dank des abwechslungsreichen Weges auch für die ganz Kleinen gut zu meistern.

Ich weiß noch, wie ich als Fünfjährige mit Oma in den Sommerferien fast jeden Tag oben war, in der Hoffnung, ENDLICH diese Zwerge zu sehen, die laut Oma da wohnen. 

Hat nie geklappt. Meiner Motivation hat das aber komischerweise auch keinen Abbruch getan.

Jetzt, fast 30 Jahre später, bin ich diejenige, die schon unten am See anfängt, unter jeder Wurzel Wichtel zu vermuten und Louise zu erzählen, dass da oben in der großen Höhle alle Wichtel wohnen.

Eigentlich webt sich um das Grafenloch eine ganz andere Sage. Nämlich, dass dort ein gieriger Sohn vom Blitzschlag getroffen wurde, nachdem er seine Eltern ermordet hat. Nix für Zweieinhalbjährige finde ich. Dann lieber Wichtel.

Bike&Hike in Miniaturversion

Los geht unser Ausflug heute: zuhause. Der Luegsteinsee liegt nur ein paar Minuten von uns entfernt, deswegen schwingen wir uns aufs Radl, sausen einmal durch das Dorf und schon sind wir da. Am Weg gibt’s noch ein paar Brezen für die Brotzeit und dann starten wir unseren Ausflug am Luegsteinsee.

Von der hinteren Seite des Sees aus führt ein kleiner, netter Steig direkt in den Wald hinein. Neben uns rauscht der Bach und alles riecht nach blühendem Bärlauch. „Riecht nach Pizza“, findet Louise.

Schon bald höre ich die ersten „Broootzeiit“-Rufe. Zum Glück sind gleich hinter der nächsten Kehre ein paar schöne Boulderfelsen, an denen Mama und Papa schnell ein bisserl herumbouldern, bis auch Louise Blut geleckt hat und „klettaaan“ statt Brotzeit will.

Danach ist die Motivation auch wieder hoch, denn gleich oberhalb fließt ein Bach mitten über den Weg, wo wir unsere Dreckfinger waschen können. 

Nach ein paar kleinen Kehren durch den frühlingshaft grünen Wald gelangen wir schon an eine große Infotafel, die uns über die Höhlenlandschaft und das Grafenloch unterrichtet. Direkt dahinter befindet sich eine Tafel mit dem Hinweis „Alpiner Steig. Absturzgefahr!“. Ab an die Hand, Louise. Das gibt zwar Protest, ist mir aber egal. Es geht nämlich rechts tatsächlich ziemlich steil runter.

Schon bald gelangen wir auch an eine Passage, die mit Drahtseil gesichert ist. Louise ist natürlich SO stolz, dass sie dort „aleeine“ gehen darf. Ich drücke ihr wahrscheinlich bald die Hand ab, weil ich sie so fest halte.

Direkt danach gelangen wir zu einer steilen Stahltreppe, die uns direkt in die Höhle führt. Endstation für Louise. Ab auf Mamas Arm. Und für weniger Geübte: besser ab in die Kraxe/Trage, damit man selbst zwei Hände frei hat zum Festhalten.

Die Wichtel und die Butterbreze

In der Höhle angekommen, rennt Louise direkt rein in die Höhle und ruft „Wiiiichteeeel. Wo seeeiiid iiihhr? Hab Breeeeeezeeee!“. Klingt verlockend, oder? 

Die Wichtel zeigen sich heute trotzdem nicht. Dafür genießen wir jetzt unsere Brezen mit traumhaftter Aussicht in Richtung Süden und können sogar Omas Haus erspähen.

Louise interessiert sich mehr für die Züge, die dort in Richtung Brenner fahren und fragt uns Löcher in den Bauch, was diese Züge wohl so alles transportieren. Sicher Nudeln aus Italien. Und Pizza, klar.

Warum wandern, wenn man rennen kann?

Der anschließende Rückweg saust nur so dahin. Louise hat beschlossen, dass rennen viel cooler ist als laufen und ist in gefühlten 10 Minuten wieder zurück bei unseren Radeln. Dort zieht sie sich selbstbewusst Schuhe und Hose aus und steigt in den kleinen Bachlauf, der den See speist. Eiskalt ist das Wasser. Scheint sie nicht zu stören. Anschließend will sie natürlich auch gleich baden gehen. Davon können wir sie zum Glück abhalten, da wir einen ihrer Kindergarten-Freunde entdecken, mit dessen Eltern wir am See noch zum Klettern verabredet sind.

Direkt am See befindet sich nämlich praktischerweise eine kleine, feine Kletterwand mit Routen vom 6. bis zum 9. Schwierigkeitsgrad. Das bedeutet: zwei Elternteile klettern, die anderen beiden gehen mit den Kids auf den auf der anderen Seite des Sees gelegenen Spielplatz.

Dort ist auch ein kleiner Kinder-Badebereich abgesteckt, den Louise natürlich direkt entert. Mit Wollmütze und Wollpullover. Wer’s mag….

Wir haben von dort aus einen perfekten Blick auf die Wasser-Skisprungschanze, auf der die Jugendlichen gerade ihre wilden Sprünge in den See üben. 

Na, und wer danach natürlich unbedingt „will aaauuchh springeeen“ ruft, könnt ihr Euch ja mittlerweile denken….

Wanderung zum Grafenloch

Dauer: ca. 30 - 45 Minuten, 150 Höhenmeter

Schwierigkeit: Wanderweg über Wurzeln und Steige. Nur im letzten Teil kurze Passagen mit Seilversicherung. Vielleicht etwas haarig für nicht ganz Schwindelfreie…

Kinderwagentauglich? Nein. Aber Kraxen-Tragen- und selber-lauf-tauglich.

Wo gibt’s was zu essen? Am Luegsteinsee gibt’s im Sommer einen Kiosk, ansonsten Gasthäuser, Pizzerien, Bäcker und Eisdiele im Ortskern von Oberaudorf.

Und dann? Ab in den See! Ab auf den Spielplatz! Ab zum Sportklettern! Ab zum Audorfer Museum. Ab zum Weber an der Wand! Ab zur nächsten Höhle, der Ponorhöhle gegenüber! Rundherum gibt’s wirklich eine Menge zu entdecken.

Vertrag widerrufen