Actionreicher Familienurlaub im PillerseeTal

Actionreicher Familienurlaub im PillerseeTal

Steile Hennen, wilde Seen und versteinerte Könige

WILD. SEE. LODER.

Dieser Name schwirrte mir irgendwie schon seit Jahren im Kopf herum. So richtig verbinden konnte ich damit allerdings nix. Bis ich vor ein paar Wochen mal wieder meinem Lieblingshobby – vor Alpenvereins-Karten herumstehen und Berge anschauen – nachging und ihn entdeckte.

Es ist also ein Berg. Mit einem wunderschönen See darunter. Und einer Hütte davor. 

Und dieser Berg steht im Pillerseetal. 

Wo? Nie gehört? Ich ehrlich gesagt vorher auch nicht, obwohl es nur eine knappe Stunde Fahrtzeit von uns entfernt liegt. Einfach nur auf der anderen Seite des Wilden Kaisers, in der Nähe von Steinplatte, Lofer und Co., im Bezirk Kitzbühel.

Unseren viertägigen Aufenthalt im Nachbarland verbringen wir diesmal nicht im Bus, sondern im wunderschönen Hotel Chalets Grosslehen in Fieberbrunn. Ein kleines familiengeführtes Haus mit knapp über 20 Zimmern, 5 Luxus Chalets, einem Schwimmteich, Streichelzoo, Spielplatz und einer Minigolf-Anlage. Alles gemütlich, hübsch, ruhig und total idyllisch. Louise will nach unserer Ankunft natürlich überhaupt gar nicht mehr weg, aber wir haben doch so viel vor!

Ich hab diesmal schon daheim unsere Tage etwas geplant, um nicht im Urlaub wieder mit der Planung anzufangen und um einfach zu wissen, was man vorhat. Das Wetter ist leider ziemlich grau und nass, aber im Juni immerhin schon recht warm.

Dank unserer PillerseeTalCard, die wir für gute 52€ für vier Tage dazu kaufen, haben wir die Möglichkeit, jegliche Lifte im PilleseeTal jeden Tag zu benutzen, sparen uns Eintritte ins Familienland, zu Sehenswürdigkeiten, Schwimmbädern, Seen und Co. 

Deswegen geht’s direkt im Nachbarort St. Jakob in Haus erstmal mit dem Sessellift auf die Buchensteinwand. Dort oben steht das Jakobskreuz, ein riesengroßes begehbares Gipfelkreuz mit einer Wahnsinnsaussicht, die sogar Louise beeindruckt.

Nebendran hören wir dann Tierstimmen. „Häää?“ sagt Louise zurecht.

Oha, wir sind auf die Spuren des Steinbergkönigs geraten.

An verschiedenen Orten des PillerseeTals kann man nämlich an neunStationen die Elfensprache entziffern und damit auf das Geheimnis des Steinbergkönigs kommen. 

Wir sind direkt voll im Rätselfieber und verbringen die nächsten 20 Minuten auf den Spuren des Steinbergkönigs. Den sollten wir in den nächsten Tagen noch öfter antreffen.

Danach wandern wir gemütlich den Blumenlehrpfad entlang zum Spielplatz am Speichersee, als wir schon ein Donnergrollen hören.

Ab ins Tal!

Zum Glück gibt’s in St. Jakob in Haus noch das gemütliche Familienland mit über 50 Attraktionen. 

Louise war vorher noch nie in solch einem Park und ihr fallen fast die Augen raus. Sie weiß gar  nicht, wohin sie zuerst schauen soll und ist völlig hin und weg. Achterbahn! Wasserspielplatz! Boulderwand! Wasserrutsche! Piratenschiff! Kletterseile! Riesen-Rutschen! Hexenhaus! Und der Steinbergkönig ist auch wieder da! Mein Mann rätselt, wir fahren Achterbahn und als es zu regnen beginnt, können wir sogar noch in der Indoor-Halle bouldern gehen, während Louise neben uns den Bobbycar-Parcours unsicher macht.

Danach ist sie fix und fertig, geht um sechs Uhr freiwillig ins Bett und wir mit Babyphone in die Sauna, zum Aperitif und genießen das äußerst leckere 4-Gänge-Abendmenü. Läuft.

Am nächsten Morgen packen wir im Nachbarort Hochfilzen die Fahrräder vom Auto und radeln über den Biathlon-WM-Pfad in Richtung Hoametzl Hütte. Eigentlich sind’s nur 350 Höhenmeter, aber die haben es in sich – zumindest mit Kind auf dem Fahrrad Wir sind tatsächlich oben ziemlich platt.

Louise nicht. Die entdeckt gleich das riesen Trampolin mit Bergblick, den Sandkasten und die Biathlon-Gokart-Strecke und will sogar von unserem Apfelstrudel nix wissen, weil sie so im Fieber ist. Hey, du brauchst Stärkung, wir radeln noch weiter zum Klettern!

Am Wiesensee liegt nämlich ein super schönes, kleines Klettergebiet mit gut abgesicherten Routen vom 3. bis 8. Grad. Die meisten Routen sind aber eher 3er, 4er, 5er, sodass wir zur Gaudi auch Louise mal reinhängen. Klettern klappt noch nicht so, aber Schaukeln im Seil findet sie auch mega. Danach lässt sie uns sogar noch schnell zwei Routen klettern, während die auf dem Bankerl ihre Zoo-Kekse vertilgt. Im Kneipp-Becken muss sie natürlich anschließend noch nacktbaden und dann ruft der Minigolfplatz am Hotel! Minigolf, Baden, Babyschweine, Alpakas, Rutsche, Esel, Pfau. so geht der Nachmittag viel zu schnell dahin! Ab ins Bett, morgen geht’s auffi aufn Berg!

Endlich geht’s zum Wildseeloder. Das Wetter verspricht immerhin Trockenheit, deswegen stehen wir um Punkt neun Uhr an der Bergbahn Fieberbrunn. Die Gondel bringt uns bis zum Gipfel des Lärchfilzkogel auf 1645 Metern, von wo wir unsere Wanderung beginnen. Knappe 300 Höhenmeter sind es von hier aus nur mehr aufs Wildseeloderhaus. Easy! Louise rennt und läuft und hüpft und findet Blumen, Käfer, Steine. Als die kleinen Beinchen müde werden, setzt sie sich freiwillig in die Trage und wir wandern gemütlich den wunderschönen Steig inmitten von Blumen bis zur Hütte.

Von Weitem sehen wir schon, dass am Wildseeloder-Gipfel, rechts der Hütte, noch recht viel Schnee liegt. Deswegen entscheiden wir uns spontan, links herum auf die Henne zu steigen. Findet Louise natürlich mega lustig. Und als sie oben am Gipfelkreuz, nach weiteren 250 Höhenmetern wunderschönem Steig auch noch ein (Schoko) Ei findet, das Mama-Henne da anscheinend verloren hat, ist das Gelächter groß.

Mich hat es total gefreut, zu sehen, dass mittlerweile doch wieder etwas „größere“ Bergtouren drin sind und Louise echt Gaudi hatte am Aufstieg.

Am Wildseeloderhaus ist sie dann aber doch eingeschlafen und lässt sich von Kaiserschmarrn und Spinatknödel-Duft wecken. Die Küche am Wildseeloderhaus ist wirklich, wirklich gut – eine Einkehr lohnt sich!

Am Rückweg wartete dann an der Mittelstation der Seilbahn noch Louises persönliches Highlight: Timok’s Wilde Welt. Ein wirklich hübsch und natürlich angelegtes Kinderparadies mit einem riesengroßen Wasserspielplatz, Niederseilgarten, Kletterpark – eingebettet in ein tolles Bergpanorama. Wir Großen haben auch unseren Spaß beim Kraxeln, Staudamm Bauen und Trampolin Springen. Im Sommer soll zusätzlich noch ein Trail mit ca. 4 km Länge dazukommen, der von dort ins Tal führt. Im Tal gibt’s dann noch zwei weitere Lines und einen Pumptrack. Für uns ist jetzt schon klar: wir müssen wiederkommen! Seit Südtirol bin ich ja voll angefixt vom Radeln und freue mich echt schon total, mal wieder in einen Bikepark zu kommen!

Die ganzen Tage haben wir uns gefragt: warum waren wir hier noch nie?!

So nah, so cool und bisher so unbekannt!

Es gibt noch soo viel zu unternehmen dort – wir wollen auf jeden Fall bald nochmal herkommen.

Vielleicht ja auch ohne Kind – zum gscheid Bergln, gscheid Radln und gscheit Wellnessen. 

Klingt nach einem Plan, oder? 😉

Von Königen, Kunstwerken und dem Chef der Berge

Von Königen, Kunstwerken und dem Chef der Berge

TRAUMHAFTER BERGURLAUB MIT KIND UND CAPPUCCINO IM SÜDTIROLER EGGENTAL

Louise ist letzte Woche zweieinhalb geworden. Pünktlich zu ihrem „Halbjahresgeburtstag“ hat auch die von allen Eltern gefürchtete WARUM-Phase begonnen.

Als wir letzte Woche unsere Reisetaschen, Kraxe, Wanderschuhe, Radl und Rucksäcke in unseren Van namens Rosl gepackt haben und Louise freudig verkündet haben, dass wir morgen nach Italien fahren, kam sie prompt, die gefürchtete Frage: „WARUM?“

Meine Antwort: „Weil wir da Urlaub machen! Und in die Berge gehen. Da gibt es soo schöne Berge, du wirst Augen machen“

„Aber Berge haben wir doch hier! Sind auch schön.“

Hat sie recht, da kann man nichts dagegen sagen. Aber die Berge in Südtirol, das sind keine Berge. Das sind Kunstwerke! Warum man aber als Bergbewohner in die Berge zum Urlaub machen fährt, das geht einer Zweieinhalbjährigen verständlicherweise nicht so ganz ein. Also, kleine Frau, überzeug Dich selbst.

Zurück in Bella Italia

Unsere Reise führt uns dieses Mal ins wunderschöne Eggental. Noch nie gehört? 

Wir bisher auch nicht. Östlich von Bozen inmitten der Dolomiten gelegen trennen uns nur knappe drei Stunden Fahrtzeit von diesem Paradies. 

Umringt von den wilden Gipfeln des Rosengarten und Latemar sehe ich schon bei der Recherche im Internet, dass es eine Schande ist, dass wir bisher noch nie dort waren!

Meinen einzigen Urlaub am Fuße des Rosengartens habe ich mit acht Jahren verbracht, aber ich erinnere mich bis heute an die wilden Klettersteige dort, auf deren Besteigung ich damals so stolz war. Während der letzten Jahre haben wir jeden Sommer mindestens zwei, drei Wochen mit Bus und Kletterzeug in Südtirol verbracht, allerdings waren wir tatsächlich mehr beim Sportklettern als beim Berggehen, deswegen hat es uns bisher noch nicht in die Ecke verschlagen. Das soll sich heute ändern.

Unsere Reise beginnt früh am morgen, damit Louise noch mindestens bis zum Brenner weiterschläft. Funktioniert. Wir fahren direkt auf über 1500 Höhenmeter zum Karer See, wo wir uns früh morgens völlig allein wiederfinden. Die Sonne ist gerade aufgegangen und die schneebedeckten Felszacken spiegeln sich auf der Oberfläche des völlig glatten, glasklaren Bergsees. Wir können uns gar nicht sattsehen und sogar unser kleiner Wirbelwind Louise wird plötzlich ganz still.

Vom Karer See aus starten wir eine kleine Radltour, um die Gegend ein bisserl besser kennenzulernen. 

Über den Templweg radeln wir zur wunderschön gelegenen Stadlalm, die heute leider noch geschlossen hat. Aber wir erfahren, dass sie auch Zimmer zum Übernachten haben. Kommt definitiv auf unsere Must-Do-Liste. Der Ausblick auf die umliegenden Berge ist der reine Wahnsinn.

Aber auch wir werden dieses Mal unsere Rosl allein lassen und die Nächte im Hotel verbringen. Wir freuen uns riesig drauf! Endlich mal nicht kochen, nicht einkaufen, nicht putzen und einfach mal ein paar entspannte Tage ohne Camping-Stress verbringen. Herrlich.

Wo ist denn der Poohoool?

​Unser Hotel liegt ganz ruhig gelegen im kleinen Örtchen Petersberg und nennt sich, natürlich, Hotel Peter. 

Louise schnappt sich bei Ankunft direkt ihren Rucksack, läuft schnurstracks zur Rezeption und fragt mich auf dem Weg: „Wo ist denn der Poohooool?“

Der Pool sollte in diesem Urlaub das Wichtigste werden.

Nach einer typisch südtirolerisch-herzlichen Begrüßung durch die Chefin des Hauses, entert Louise direkt den Pool. Wie ein kleiner Korken treibt sie mit ihren riiesen rosa Schwimmflügeln im wunderschön ruhigen Pool und ist so, so stolz. Papa gibt also Schwimmkurs, ich entere Sauna, Kräuterstüberl und Sonnenterrasse und plane bei Kaffee und Kuchen unsere nächsten Tage.

Radltour in den Milchschaum-Himmel

Am nächsten Tag radeln wir nach einem ausgiebigen Frühstück direkt vor der Haustüre los zur Wallfahrtskirche Maria Weißenstein. Von dort aus geht’s weiter zum Petersberger Leger, einer süßen Alm mit Schaukel und.. tataa: einer Siebträgermaschine. Cappuccino auf der Alm! Gibt’s was besseres? Louise schlabbert auch ihren Milchschaum und findet die italienischen Berge mittlerweile offensichtlich auch ziemlich cool.

Weiter geht’s nun mit dem Radl zur Laab Alm, wo wir erneut einkehren, bevor wir über den süßen Ort Deutschnofen zurück zum Hotel radeln. Insgesamt sind wir doch fast 4 Stunden und knapp 400 Höhenmeter unterwegs und freuen uns sehr auf das nachmittägliche Kuchen-und Jausenbuffet im Hotel. Luuxuus! Das hätt ich auch gerne daheim! Und danach? Ab in den Pool. Klar. Klein-Korken muss ja wieder schwimmen üben. Heute sind zum Glück auch noch ein paar andere Familien am Pool, sodass Louise nicht der einzige kleine Springfrosch im Wasser bleibt.

Von Flowtrails und störrischen Eseln

Der nächste Tag, der Sonntag, wird mein persönliches Highlight:

Zusammen mit unseren Fahrrädern besteigen wir die Kabinenbahn Welschnofen, die uns direkt an den Fuße des Rosengartens katapultiert. Dort wollen wir unsere Radl für später deponieren und erst einmal zu Fuß die 150 Höhenmeter zur Messnerjoch Alm zurücklegen und, wenn die Schneelage es zulässt, weiter hoch zur Kölner Hütte und dem Hirzelsteig wandern.

Louise hat heute leider überhaupt gar keine Lust zu wandern und wie einen störrischen Eseln versuchen wir mit allen Tricks, sie zum Berggehen zu überreden. Aber der kleine Esel mag nicht. Also tragen wir sie mit mehr oder weniger Protest bis kurz oberhalb der Messnerjoch Alm, um wenigstens einen Blick auf das Rosengarten Massiv und das gegenüber liegende Latemar zu erhaschen. Die Kulisse ist der WAHNSINN! 

Diese ganzen Berge hier haben einfach nichts zu tun mit unseren oberbayrischen Waldhügeln. Das sind Könige! Kunstwerke! Die Chefs unter den Bergen! Sorry, Heuberg, ich mag Dich auch, aber diese italienischen Namen gepaart mit diesem umwerfenden Aussehen… aber mit Catinaccio, Vajolet, Sforcella und Re Laurino können wir in Bayern nicht mithalten.

Wenn das nicht schon genug wäre, wartet am Weg nach unten noch ein ganz besonderes Highlight: der Carezza Trail. 

Unsere Radl warten ja noch an der Liftstation auf uns und talwärts geht’s nun über meinen allerersten Flowtrail. 

Ich bin ja eigentlich kein großer Radler, aber es macht echt riesig Spaß. Ich will unbedingt wiederkommen, allein schon für den Trail. 

Am nächsten Tag können Lars und Ich sogar noch ein bisserl Bike-Technik im BikePark Deutschnofen trainieren und ich bin mir sicher, dass es beim zweiten Mal schon viel besser gehen würde. Der Park wirkt wie ein kleiner Spielplatz für Erwachsene, mit ein paar Steilkurven und Sprüngen zum Üben, sodass sogar Louise dort gut spielen kann und wir nebenbei ein bisserl mit den Radl herumprobieren können.

Milchschaum am Spielplatz

Das Gesamte Eggental erscheint uns ohnehin wie ein riesengroßer Spielplatz.

Wir können radeln, wandern, klettern, baden, essen, Tiere besuchen und genießen und je länger wir da sind, desto mehr Ideen füllen meinen Kopf, was ich hier UNBEDINGT noch machen will.

Wir kommen auf jeden Fall bald wieder! Dann gerne ohne Schnee und mit noch mehr Zeit. Oder gleich mit viel Schnee im Winter. Wunderschöne Skigebiete gibt’s dort ja sogar auch!

Und Louise?

Die fragt seit Neuestem vor jeder Bergtour, die wir machen: „Gibts da Milchschaum?“

Ha, kleine Italienerin. So guten Milchschaum gibt’s erst in Italien wieder. Aber vielleicht weißt Du ja jetzt, warum man als Bergbewohner trotzdem Urlaub in den Bergen macht.

Wo die kleinen Wichtel wohnen

Wo die kleinen Wichtel wohnen

Familientaugliche Wanderung vom Luegsteinsee zum Grafenloch

Wer mit Kindern wandern gehen will, der kennt das Problem: Mama und Papa wollen die Natur erleben, wandern, Höhenmeter machen, Gipfel erreichen. Und die Kinder? Die wollen Stöcke sammeln, Schnecken beobachten und eigentlich am liebsten nach zehn Metern wieder Brotzeit machen.

Will man trotzdem weiter als bis zur nächsten Bank kommen, muss man sich deshalb oft einiges einfallen lassen.

Was bei uns (fast) immer hilft: Geschichten erzählen, Märchen erfinden.

So kommt es, dass ich mir am Berg oft eher als Alleinunterhalter vorkomme, der lauthals singt, rennt, springt und erzählt. Kasperletheater mit Berganschluss, sozusagen.

Hochmotivierte Wanderzwerge

Eine Wanderung, die es Eltern aber wirklich leicht macht, die Wanderzwerge zu motivieren, ist die Wanderung vom Luegsteinsee zum Grafenloch in Oberaudorf.

Sie ist mit 150 Höhenmetern eher kurz und dank des abwechslungsreichen Weges auch für die ganz Kleinen gut zu meistern.

Ich weiß noch, wie ich als Fünfjährige mit Oma in den Sommerferien fast jeden Tag oben war, in der Hoffnung, ENDLICH diese Zwerge zu sehen, die laut Oma da wohnen. 

Hat nie geklappt. Meiner Motivation hat das aber komischerweise auch keinen Abbruch getan.

Jetzt, fast 30 Jahre später, bin ich diejenige, die schon unten am See anfängt, unter jeder Wurzel Wichtel zu vermuten und Louise zu erzählen, dass da oben in der großen Höhle alle Wichtel wohnen.

Eigentlich webt sich um das Grafenloch eine ganz andere Sage. Nämlich, dass dort ein gieriger Sohn vom Blitzschlag getroffen wurde, nachdem er seine Eltern ermordet hat. Nix für Zweieinhalbjährige finde ich. Dann lieber Wichtel.

Bike&Hike in Miniaturversion

Los geht unser Ausflug heute: zuhause. Der Luegsteinsee liegt nur ein paar Minuten von uns entfernt, deswegen schwingen wir uns aufs Radl, sausen einmal durch das Dorf und schon sind wir da. Am Weg gibt’s noch ein paar Brezen für die Brotzeit und dann starten wir unseren Ausflug am Luegsteinsee.

Von der hinteren Seite des Sees aus führt ein kleiner, netter Steig direkt in den Wald hinein. Neben uns rauscht der Bach und alles riecht nach blühendem Bärlauch. „Riecht nach Pizza“, findet Louise.

Schon bald höre ich die ersten „Broootzeiit“-Rufe. Zum Glück sind gleich hinter der nächsten Kehre ein paar schöne Boulderfelsen, an denen Mama und Papa schnell ein bisserl herumbouldern, bis auch Louise Blut geleckt hat und „klettaaan“ statt Brotzeit will.

Danach ist die Motivation auch wieder hoch, denn gleich oberhalb fließt ein Bach mitten über den Weg, wo wir unsere Dreckfinger waschen können. 

Nach ein paar kleinen Kehren durch den frühlingshaft grünen Wald gelangen wir schon an eine große Infotafel, die uns über die Höhlenlandschaft und das Grafenloch unterrichtet. Direkt dahinter befindet sich eine Tafel mit dem Hinweis „Alpiner Steig. Absturzgefahr!“. Ab an die Hand, Louise. Das gibt zwar Protest, ist mir aber egal. Es geht nämlich rechts tatsächlich ziemlich steil runter.

Schon bald gelangen wir auch an eine Passage, die mit Drahtseil gesichert ist. Louise ist natürlich SO stolz, dass sie dort „aleeine“ gehen darf. Ich drücke ihr wahrscheinlich bald die Hand ab, weil ich sie so fest halte.

Direkt danach gelangen wir zu einer steilen Stahltreppe, die uns direkt in die Höhle führt. Endstation für Louise. Ab auf Mamas Arm. Und für weniger Geübte: besser ab in die Kraxe/Trage, damit man selbst zwei Hände frei hat zum Festhalten.

Die Wichtel und die Butterbreze

In der Höhle angekommen, rennt Louise direkt rein in die Höhle und ruft „Wiiiichteeeel. Wo seeeiiid iiihhr? Hab Breeeeeezeeee!“. Klingt verlockend, oder? 

Die Wichtel zeigen sich heute trotzdem nicht. Dafür genießen wir jetzt unsere Brezen mit traumhaftter Aussicht in Richtung Süden und können sogar Omas Haus erspähen.

Louise interessiert sich mehr für die Züge, die dort in Richtung Brenner fahren und fragt uns Löcher in den Bauch, was diese Züge wohl so alles transportieren. Sicher Nudeln aus Italien. Und Pizza, klar.

Warum wandern, wenn man rennen kann?

Der anschließende Rückweg saust nur so dahin. Louise hat beschlossen, dass rennen viel cooler ist als laufen und ist in gefühlten 10 Minuten wieder zurück bei unseren Radeln. Dort zieht sie sich selbstbewusst Schuhe und Hose aus und steigt in den kleinen Bachlauf, der den See speist. Eiskalt ist das Wasser. Scheint sie nicht zu stören. Anschließend will sie natürlich auch gleich baden gehen. Davon können wir sie zum Glück abhalten, da wir einen ihrer Kindergarten-Freunde entdecken, mit dessen Eltern wir am See noch zum Klettern verabredet sind.

Direkt am See befindet sich nämlich praktischerweise eine kleine, feine Kletterwand mit Routen vom 6. bis zum 9. Schwierigkeitsgrad. Das bedeutet: zwei Elternteile klettern, die anderen beiden gehen mit den Kids auf den auf der anderen Seite des Sees gelegenen Spielplatz.

Dort ist auch ein kleiner Kinder-Badebereich abgesteckt, den Louise natürlich direkt entert. Mit Wollmütze und Wollpullover. Wer’s mag….

Wir haben von dort aus einen perfekten Blick auf die Wasser-Skisprungschanze, auf der die Jugendlichen gerade ihre wilden Sprünge in den See üben. 

Na, und wer danach natürlich unbedingt „will aaauuchh springeeen“ ruft, könnt ihr Euch ja mittlerweile denken….

Wanderung zum Grafenloch

Dauer: ca. 30 – 45 Minuten, 150 Höhenmeter

Schwierigkeit: Wanderweg über Wurzeln und Steige. Nur im letzten Teil kurze Passagen mit Seilversicherung. Vielleicht etwas haarig für nicht ganz Schwindelfreie…

Kinderwagentauglich? Nein. Aber Kraxen-Tragen- und selber-lauf-tauglich.

Wo gibt’s was zu essen? Am Luegsteinsee gibt’s im Sommer einen Kiosk, ansonsten Gasthäuser, Pizzerien, Bäcker und Eisdiele im Ortskern von Oberaudorf.

Und dann? Ab in den See! Ab auf den Spielplatz! Ab zum Sportklettern! Ab zum Audorfer Museum. Ab zum Weber an der Wand! Ab zur nächsten Höhle, der Ponorhöhle gegenüber! Rundherum gibt’s wirklich eine Menge zu entdecken.

Die schönsten Wanderungen für Kinder mit Spielplatz

Die schönsten Wanderungen für Kinder mit Spielplatz

Wandern, Berg & Spielplatz: die perfekte Kombi!

Es wird höchste Zeit, dass wir Euch mal wieder ein paar konkrete Berg-Tipps für die kommende Wandersaison an die Hand geben! Bald dürfen die Deutschen ja vielleicht auch wieder nach Österreich und andersrum, deswegen sind ein paar Touren in Tirol und ein paar Touren in Bayern mit dabei. Alle im Inntal, alle easy wanderbar auch mit Baby, Kleinkind, Kraxe, Trage und teilweise auch Kinderwagen.

Und das wichtigste: bei allen Touren ist ein richtig cooler Spielplatz dabei! Momentan die einzige Motivation (neben Essen), die auch nur irgendwie zieht bei Louise.

1. Schopperalm (Kiefersfelden, Bayern)

Die Schopperalm ist halt einfach der Knaller. Längst kein Geheimtipp mehr, aber das auch nicht ohne Grund. Hoch geht’s entweder direkt per Fahrrad, e-Bike (oder Auto), oder durch die aufregende Gießenbachklamm. Die fand ich als Dreijährige schon unglaublich cool und es hat sich eigentlich nix geändert. Wir wandern vorbei am Wasserrad, über einen breiten Forstweg geht es nach ca. 10 Minuten über 100 Stufen steil bergauf. Oben angekommen erwartet uns ein aufregender schmaler Steig (mit Zaun), unter Felsen hindurch und immer nah am Abgrund der Schlucht. Bestens gesichert, keine Sorge. Danach öffnet sich die Schlucht in ein breites Bachbett, wo am Kiesstrand wunderbar Staudämme gebaut werden können. Oberhalb befindet sich die Schopperalm. Das Kinderparadies. Wasserspielplatz, Streichelzoo, Spielgeräte, Bobbycar-Rennbahn und hoffentlich bald auch wieder Kaiserschmarrn. Und nach der Wanderung und dem vielen Spielen sind die Kids so platt, dass ihr definitiv einen ruhigen Abend haben werdet 🙂

Ausgangspunkt: Kiefersfelden. Gehzeit: je nach Kind zwischen 30 und 300 Minuten 😉

2. Hocheck/Schwarzenberg (Oberaudorf, Bayern)

Das Hocheck, unser Hausberg, ist so ein bisserl ein Tausendsassa. Viele verschiedene Wege führen auf den Gipfel, im Winter gibt’s eine Rodelbahn und Skibetrieb, im Sommer Sommerrodelbahn, Zipline und co. Momentan ist’s aber wunderbar ruhig und wir radeln gern (mit Hänger fast nur per e-Bike machbar) die steile Fahrstraße hoch oder wandern von Bad Trissl aus auf’s Hocheck. Zum Kinderwagen Schieben ists zwar durchaus steil, aber machbar.

Oben erwartet uns ein Kneippbecken, ein riiesen Spielplatz mit mega Panorama, eine Goldwaschanlange, Ziegen, Kühe und hoffentlich bald auch wieder der Berggasthof Hocheck.

Wem die 350 Höhenmeter heute zu weit sind, der kann auch beim Wenger Stadl bei der Mittelstation halten. Dort gibt’s auch schon einen wunderschönen Ausblick, bald wieder Bewirtschaftung und einen super schön angelegten Spielplatz mit -Louises aktuelles Highlight- einer riesig langen Holzkugelbahn.

Wer im Gegenteil vom Hocheck noch weiter will, den erwartet im Anschluss noch der Sagenweg mit kleinem Spielplatz am Weg zum Schwarzenberg und eine super schöne Wanderung durch den Märchenwald bis zum Gipfel.

Ausgangspunkt: Oberaudorf. Gehzeit zum Wenger Stadl: ca. 30 Minuten, zum Hocheck weitere 30 Minuten. Weiter zum Schwarzenberg: 1-1,5 Stunden.

3. Dandlberg (Samerberg, Bayern)

Von Nußdorf aus führt ein gemütlicher Forstweg, teilweise auch eine Straße bis hoch zur Dandlberg Alm. Der Weg ist nicht wirklich ein Highlight, aber die Alm selbst hat einfach so einen wahnsinnig schönen Ausblick, sodass man das gerne in Kauf nimmt. Man blickt in Richtung Süden über das gesamte Inntal, was besonders in Richtung Sonnenuntergang wunderschön ist. Louise rutscht derweil 800x die steile Rutsche und reitet auf dem Holzpferd, das auf der großzügigen Wiese steht. Wer noch weiter gehen mag, kann den Dandlberg selbst erklimmen. Der Weg ist spannend durch den Wald, mit Wurzeln, Stöcken, Räuberhühlen – der Ausblick allerdings ist besser von der Alm.

Ausgangspunkt: Nußdorf am Inn. Gehzeit: ca. 1 Stunde. 30 Minuten weiter bis zum Gipfel.

4. Kranzhornalm (Erl, Tirol)

Auf dem Kranzhorn verläuft genau die Deutsch/Österreichische Grenze. Die Wege liegen aber leider alle zumindest teilweise auf österreichischer Seite. Deswegen winken wir dem Kranzhorn weiterhin aus dem Badfenster und hoffen, dass wir bald wieder kommen dürfen.

Vom Erler Berg aus kann man per eBike oder zu Fuß, auch mit Kinderwagen, in gemütlichen 1-1,5 Stunden über breite Wege durch saftige Wiesen zur Kranzhorn Alm wandern. Dort erwartet uns (eigentlich) sauguades Essen, Hasen, Kühe und ein wunderschönes Panorama. Louise speist natürlich ausschließlich am Kinderstammtisch und will mittlerweile freiwillig noch weiter mit auf den Gipfel. Der Aufstieg von ca. 30-45 Minuten lohnt sich nämlich total! Der Blick vom (durchaus ausgesetzen) Gipfel ist nämlich einfach unschlagbar schön!

Ausgangspunkt: Erler Berg. Gehzeit zur Alm: ca. 1-1,5 Stunden. Weiter zum Gipfel: ca. 30-45 Minuten.

5. Goglalm (Erl, Tirol)

Unsere absolute Lieblingsalm unterhalb des Spitzstein. Die Wanderung startet entweder am Erler Berg (Tirol), oder in Sachrang (Tirol). Besonders der Weg von Sachrang super schön und im Herbst voller Pilze. Die auf Tiroler Seite gelegene Alm ist aber für Faule auch direkt per Auto oder E-Bike erreichbar.

Oben gibt’s nicht nur die allergenialsten frischen Kuchen, sondern auch traumhafte Alm-Atmosphäre und, nach dem Hocheck, den Spielplatz mit dem schönsten Ausblick. Kühe stehen träge herum und schauen zu, und über uns ragt der Spitzstein in die Höhe, den wir in ca. 1,5 Stunden Gehzeit noch per Kraxe erreichen können.

Einen Artikel von uns zum Spitzstein findet ihr auch unter:

https://blog.kufstein.com/de/mit-baby-auf-den-spitzstein.html

Ausgangspunkt: Erl, Sachrang. Gehzeit: 5-90 Minuten. Weiter zum Spitzstein: ca1,5 Stunden.

6. Haraualm (Walchsee, Tirol)

Hach, der Walchsee. Wir vermissen ihn!

Die Haraualm wird deswegen auch eine der ersten Touren sein, wenn wir wieder über die Grenze dürfen. Da gilt nämlich: von zuhause rüber zum Walchsee radeln, hoch auf die Alm, weiter auf den Gipfel, ab in den See, Käse kaufen und wieder heim. Ich freu mich schon so!

Los geht’s die Tour zur Haraualm in Kranzach durch das wunderschöne Josefstal vorbei am rauschenden Bach. Das mündet in einen gemütichen Forstweg, der uns direkt weiter zur Haraualm bringt. Per E-Bike oder Kinderwagen kann man das Josefstal auch umgehen und direkt zur Alm gelangen. Nach einer knappen Stunde Gehzeit erreichen wir die 2019 neu errichtete Haraualm.

Dort gibt’s neben grandioser Aussicht für die Kids noch eine riiiiesen Kiste Spielzeug, die sie garantiert mindestens eine Kaffeelänge beschäftigt hält.

Wer noch zum weiter Wandern motiviert ist, kann dann noch die Harauspitze erklimmen und über einen wunderschönen, aber etwas ausgesetzten Grat zu einer Rundtour ansetzen.

Die gesamte Beschreibung der Rundtour findet ihr von uns unter:

https://www.kaiserwinkl.com/de/kaiserwinkl-magazin-weitsicht-tiefsicht-spielzeugmeer.html

Ausgangspunkt: Kranzach, Walchsee, Tirol. Gehzeit zur Alm: ca. 1 Stunde. Zum Gipfel ca. 20 Minuten.

Heimat. Von einem ganz besonderen Gefühl.

Heimat. Von einem ganz besonderen Gefühl.

Ich bin Stewardess. Mein Mann ist Pilot. Reisen ist unser Beruf.

Vor Louise haben wir uns oft wochenlang nicht gesehen, oder waren zusammen unterwegs. Waren an einem Tag Fahrradfahren in Moskau, am nächsten Tag Pizza Essen in Rom, oder Wandern in Kiev.

Ich hatte Pfandflaschen aus Tokio, die ich regelmäßig zurückbringen konnte, Freunde in Mexiko, die ich monatlich besucht habe und Zahnpasta gab’s nur die coole indische – man konnte ja immer wieder Nachschub besorgen.

Wenn wir frei hatten, sind wir schnell mit dem Zelt nach Island geflogen, waren klettern in Griechenland, oder haben Freunde in Shanghai besucht.
Und dann kam Louise. Beschäftigungsverbot. Grounding, um in der Fliegersprache zu bleiben.
Wir hatten eine wunderschöne Wohnung mitten in München-Haidhausen, sogar mit Garten. Aber ich wollte raus. Raus aus der Stadt. Während der Schwangerschaft war ich gefühlt nur noch am Berg, in der Natur, im Wald. Shoppen? Kultur? Großstadtflair? Haben wir dank der Fliegerei genügend.

„Ich will raus auf’s Land“ eröffnete ich meinem Mann sehr bald. Irgendwo zwischen Murnau und Rosenheim. So halbwegs erreichbar vom Flughafen, aber weit genug in den Bergen.
Da Oma aus dem Inntal kommt, habe ich aber insgeheim schon etwas mit dem Inntal kalkuliert. Und plötzlich war sie da: unsere Wohnung auf Immoscout. Lars fuhr hin, zwei Tage nach Entbindung, um sie anzusehen, kam zurück in die Klinik und sagte: „Wir ziehen um!“ Hui. Ich hab’ erstmal geheult. Das war alles etwas viel.

Zwei Monate später waren wir da: in unserem 5000-Seelen-Dorf mit Zwiebelturm und Kaiserblick. Unsere Wohnung im Dachgeschoss: ein Traum. Groß, hell, mit wahnsinnigem Bergblick und halb so teuer wie in München.
Einen Tag später haben wir uns Langlauf-Equipment gegönnt und schon ging’s los mit dem Dorfleben. Skitour, Langlaufen, Bergtouren, Hütten, Rodeln. Wir kamen uns vor wie im Urlaub. Und das Gefühl ging nicht mehr weg.
Unser „Dauer-Airbnb“ nennen wir unsere Wohnung. Wir haben wahnsinnig tolle, offene, inspirierende, spannende Freunde kennengelernt und fühlen uns manchmal noch immer wie im Traum.

Ich liebe diese Geborgenheit, die das Dorfleben ausstrahlt. Dieses kleine, gemütliche und einfache. Es gibt nur eine Bar, da geht man eben hin. Es gibt auch nur ein Café und es gibt nur einen Freundeskreis. Nix mit Qual der Wahl.
Statt Kaffee trinken geht man langlaufen, statt spazieren eben auf den Berg. Am Spielplatz kennt man sich und statt Krabbelgruppe gibt’s Klettern mit Familienanschluss.

Ich hätte niemals gedacht, dass es sowas gibt, aber hier fühle ich mich daheim.
Nicht mal ins nächste Dorf würde ich mehr ziehen.
Und das Gefühl ist einfach wunderschön!

 

Werte. Was Kinder von den Bergen lernen können.

Werte. Was Kinder von den Bergen lernen können.

Was uns die Natur hier draußen oft lehrt, ist Demut. Wer einmal am Berg unterwegs war, kennt dieses Gefühl, sich ganz klein zu fühlen vor den hoch aufragenden Felswänden, die auf uns kleine Menschen herabschauen. Der Berg lehrt uns außerdem, was es heißt, zu scheitern. Auch wenn man sich noch so stark, und noch so groß fühlt, die Natur da draußen macht einem schnell mal einen Strich durch die Rechnung.

Was das alles mit meinem Dasein als Mutter zutun hat? Genau die Lektionen, die uns die Natur lehrt, soll auch Louise lernen.

Mein Mann und ich haben uns letztens darüber unterhalten, welche Werte wir Louise mitgeben wollen. Ehrlichkeit, Toleranz, Verantwortungsbewusstsein, klar. Aber auch Demut, Achtsamkeit und das Lernen zu Scheitern. In der Welt, in der Louise hier aufwächst, muss es für sie wirken wie im Paradies.

Nestwärme ohne Ende, Geborgenheit, Sicherheit, Freiheit, Vogelgezwitscher und eine Mama, die einem jederzeit Erdbeeren, Breze, oder Apfelmus in den Schnabel schiebt, wann immer man nur möchte.

Das ist schön, das ist gut so, aber es werden Momente in ihrem Leben kommen, in denen sie ihre Ziele nicht erreichen wird, in denen sie zurückgewiesen wird und in denen sie erkennen muss, dass sie nicht der Nabel der Welt ist. Und dafür möchte ich sie vorbereiten.
Natürlich ist sie jetzt noch viel zu klein dafür, aber allein schon im Zusammenspiel mit Gleichaltrigen soll sie lernen, dass andere auch Bedürfnisse haben und dass sie auch mal scheitert in ihrem Versuch, alle Spielzeuge an sich zu reißen.

Später werden die Hürden sicher größer, aber wenn man lernt, früh damit gut umzugehen, bin ich mir sicher, dass man es leichter hat im Leben.
Der nächste Punkt ist die Achtsamkeit. Genau wie Louise jetzt eine Ameise betrachtet, wie sie vorsichtig versucht, eine Schnecke zu streicheln und wie sie den Schafen Kusshände zuwirft, so soll sie auch später handeln. Wertschätzung und Toleranz zeigen. Der Kartoffel auf dem Teller gegenüber genauso wie der Wespe auf dem Kuchen, die man vorsichtig verscheuchen kann, anstatt sie mit dem Elektroschocker zu grillen. Das mit dem Grillen haben wir übrigens leibhaftig erfahren. Bei Bekannten auf der Terrasse, die ihrem zweijährigen Sohn ernsthaft sagte: „Das ist nur eine Wespe. Wespen sind scheiße. Die kannst du grillen“.