Feb. 10, 2022 | Berggeschichten
Wir Menschen sind ja manchmal seltsame Wesen.
Da fliegen wir freiwillig um die halbe Welt, um das Glück zu finden, sehnen uns nach fernen Orten und kennen uns in Bangkok besser aus als in Berlin. Irgendwie dämlich, oder?Wir haben für dieses Jahr beschlossen, endlich unsere Heimat mal richtig gut kennenzulernen.Daheimbleiben ist ja ohnehin im Trend und bevor wir zum hundertsten Mal über den Brenner sausen, sollten wir doch lieber erstmal unsere nähere Umgebung erkunden. Gebt’s zu, kennt ihr alle Orte um Euch herum? Ich nicht!
Der Chiemsee fehlt mir noch großteils, Traunstein sowieso und das ganze Berchtesgadener Land erst recht. Zwar habe ich hochschwanger noch schnell den Watzmann überschritten, aber das war’s dann fast auch schon. So war Louise immerhin schon mal auf dem Watzmann. Wenn auch mit minus 3 Monaten.
Inspiration am Gewürzregal
Die Inspiration für unseren ersten „Kurzurlaub dahoam“ gab’s in der Küche am Gewürzregal. Am Salzstreuer, um genau zu sein: Bad Reichenhall. Das klingt so mondän, ehrwürdig und … nach Salz.
Wo das genau ist? Mei, irgendwo gleich bei uns. Ich musste dann selber erstmal auf der Karte nachschauen.
Mittendrin im Berchtesgadener Land liegt’s. Umgeben von schönen Gipfeln, wilden Flüssen und idyllischen Seen. Nicht weit nach Salzburg, nicht weit zum Chiemsee, nicht weit zu den hohen Bergen. Eigentlich ein perfekter Ausgangspunkt für einen längeren Trip.
Wir beginnen mal mit einem Kurz-Trip.
Für die nächsten Tage ist leider gruseliges Winterwetter mit Sturm, Starkregen und Neuschnee angesagt. Langlaufski, Ski und Rodel packen wir trotzdem optimistischerweise mal in den Kofferraum, vielleicht meint es Petrus ja doch besser mit uns als vorhergesagt.
In Bad Reichenhall angekommen, schneit es, als würde Frau Holle ein ganzes Bettenlager lüften.
Wir sehen kaum die Hand vor Augen und alles ist dick bedeckt mit einer weichen Schicht aus Neuschnee.
Da könnte sich sogar Sightseeing mit Kind ausgehen! Was sonst wie ein Widerspruch in sich selbst klingt, funktioniert mit frischer Schneeunterlage wunderbar.
Sightseeing mit Schneeballschlacht
Auf dem Weg in die Innenstadt spazieren wir durch das dichte Schneetreiben und Louise hüpft aufgeregt durch den Kurpark, rollt sich im Schnee und rutscht von den schneebedeckten Bänken.
Schneeballschlacht vor der Alten Saline, Schneemann Bauen vor dem Kurhaus und Wettrennen durch den königlichen Kurgarten: bei Neuschnee ist einfach alles erlaubt!
Das Schlendern durch die Innenstadt fällt dann allerdings etwas kurz aus: wir haben Louise heisse Schokolade versprochen.
Da gibt’s kein Halten mehr.
Im hübsch renovierten Traditionskaufhaus Juhasz drehe ich kurz eine Shoppingrunde, bis wir uns im Obergeschoss in der Tagesbar wieder treffen. Hier ist eine wirklich hübsche Bar zu finden, wo man auf gemütlichen Sesseln in den ausgestellten Kochbüchern schmökern, ausgiebig frühstücken, oder auch nur einen Cappuccino mit Blick über die Dächer genießen kann.
Louise malt fleißig am Maltisch und wir kaufen unverhofft Keramik und Kochbücher – die typischen Urlaubs-Mitbringsel, oder?
Oh, du schöner Thumsee
Am Nachmittag ruft die Natur, und damit der Thumsee für einen Besuch.
Unsere liebste Fotografen-Freundin Anna kommt spontan vorbei für ein Fotoshooting am See, nachdem sie auf Instagram gesehen hat, dass wir in Bad Reichenhall unterwegs sind. Perfekter Zufall, wie so oft.
Wir spazieren gemeinsam am idyllischen Seeufer über tief verschneite Wege und genießen den perfekten Wintertag.
Auf einer kleinen Landzunge packt Anna ihre alte „Salatschüssel“ aus, in der wir ein kleines Lagerfeuer entzünden, Stockbrot backen und Tee trinken. Fast kitschig, aber auch wahnsinnig schön.
„Und wo ist jetzt das Datel?“ fragt Louise bald, ziemlich durchgefroren und mit roten Wangen.
Das „Datel“(=Hotel) ist glücklicherweise direkt am See und empfängt uns mit heisser Suppe und einem frisch eingeheizten Saunahäusl.
Papa und Louise entern sofort nach dem Einchecken den Pool, ich genieße Sauna mit Seeblick und Schnee-Kneippen danach. Traumhaft!
Schon kurz darauf ist Bett-Zeit für Louise. Schnell, schlafen, morgen gibt’s neue Abenteuer zu entdecken!
Tag Zwei
Es schüttet. Es regnet nicht, es schneit nicht, es schüttet. Und stürmt.
Ich wollte heute unbedingt mit der Predigtstuhlbahn auf den Berg fahren, oben zur Almhütte Schlegelmulde wandern und den beeindruckenden Blick ins Tal mit eigenen Augen sehen. Die hübsche rote Gondelbahn habe ich Louise dooferweise auch schon gezeigt, sie war völlig aufgeregt, aber bei dem Wetter muss ich ihr nun leider erklären, dass da keine Bahn fährt.
„Na, dann fliegt die halt weg mit dem Wind.“ ist Louises lapidare Antwort, während sie konzentriert weiter ihr Puzzle am Frühstückstisch bearbeitet.
„Und warum heisst ein Berg eigentlich Stuhl?“ schiebt sie noch hinterher.
Gute Frage, beim nächsten Mal fragen wir ihn!
Rodeln fällt heute damit eindeutig auch aus, Langlaufen auch. Na, dann machen wir es uns eben gemütlich!
So trinken wir eben noch einen zweiten Kaffee am Kaminfeuer, ich lese Zeitung, Papa geht vor der Türe ein bisserl Zipfelbob fahren mit Louise. Schon bald packt mich aber auch die Rodellust und so sausen wir eben bei Sauwetter durch den Regen-Schnee! Wofür gibt’s denn Funktionskleidung?
Floaten in der Alpensole
Und wofür gibt’s Thermen? Genau für solches Wetter!
Normalerweise kann man mich ja jagen mit jeglichen Indoor-Aktivitäten, aber heute bin sogar ich reif für viiiel warmes Wasser.
Schwimmnudel, Schwimmflügel, Badeanzug in die Tasche und los geht’s in die Rupertustherme Bad Reichenhall.
So schnell können wir gar nicht schauen, ist Louise schon drin im Wasser und im Strudel und unterm Wasserfall und auf der Rutsche und, und, und.
Sie ist völlig in ihrem Element. Wunderbar, ich mach’ mich dann mal aus dem Staub.
Neben dem Familienbad ist nämlich direkt die eigentliche Therme mit Solebecken, Außenbecken, Salzgrotte und Dampfbad angegliedert. Wunderbar still ist es hier und das salzige Wasser fühlt sich ganz weich an auf der Haut. Besonders das Floaten im Salzwasser empfand ich als tolle Erfahrung.
Wie im schwarzen Meer. Nur in Bayern, statt in Israel.
Da sind wir wieder beim Thema „Urlaub dahoam“
Zum Abschluss statten wir der Tagesbar Juhasz nochmal einen Besuch ab.
Uns hat es gestern einfach so gefallen dort, wir müssen nochmal hin!
Am Weg dorthin kommen wir noch am Café Reber vorbei und decken uns mit den gleichnamigen Mozartkugeln ein – ich bin nämlich zugegebenermaßen ein wenig süchtig.
Völlig entspannt, wohlig warm und wunderbar gemütlich war es, unser Kurztrip – Wochenende „dahoam“.
Aber warte ab, Bad Reichenhall, wir kommen wieder! Und dann so richtig!
Mit Sonne und Bergen und so.
Wir müssen ja immerhin noch rausfinden, warum Euer Berg ein Stuhl ist!
Jan. 21, 2022 | Berggeschichten
Daheim bleiben ist ja momentan absolut im Trend.
Die Natur vor der eigenen Haustüre entdecken, das Auto lieber stehen lassen und den Ausflugstrubel meiden. Klar, coole Sache.
In unserem Fall ist „daheim bleiben“ sogar absoluter Luxus, wenn man inmitten eines Berg- und Skiparadieses wohnt. Jetzt im Hochwinter, wenn Frau Holle uns endlich reichlich mit Neuschnee bedacht hat, können wir direkt vor der Haustüre in die Loipe zum Langlaufen einsteigen, gehen rodeln, winterwandern, berglaufen, skifahren und Louise zieht im Kinderland ihre ersten Schwünge auf Ski.
Kein Wunder, dass wir akuten Freizeitstress haben!
Zum Glück ist dieses kleine Winterparadies auf deutschem Boden (Quarantäne und so) nur eine Stunde von München mit dem Zug erreichbar und so auch für viele von Euch da draußen sicher eine Reise wert!
Ein Auto braucht’s hier für die meisten Aktivitäten wirklich nicht und eine klimaneutrale Anreise per Bahn sorgt dafür, dass auch unsere Kinder noch Schnee im Winter vorfinden können.
Gönnt Euch ein Bayern-Ticket und raus mit Euch!
Wintergaudi hoch 5
Wir haben für Euch mal versucht, innerhalb eines Wochenende alle Wintersportarten, die man in Oberaudorf ausüben kann, durchzuprobieren. Wir haben’s nicht ganz geschafft, es gibt einfach zu viel zu erleben
Skifahren
Der Erlebnisberg Oberaudorf-Hocheck mitten in Oberaudorf ist im Winter ein kleines, feines Skigebiet.
Ein Sessellift und ein paar Schlepplifte sind perfekt für Kinder und Anfänger, um die ersten Schwünge im Schnee zu üben.
Dort gibt es zudem das von Louise heiß geliebte Kinderland mit Zauberteppichen, Kinderlift und Kinder-Parcours. Bei Bedarf können auch Skikurse für die ganz Kleinen gebucht werden, die dann auch im Kinderland stattfinden.
Heute fahren wir erstmal mit dem Sessellift zur Bergstation, um dort auf dem „Idealhang“ mit Louise das Kurven Fahren zu üben. Warum der „Idealhang“ heißt? Wahrscheinlich, weil der einfach ideal zum Üben ist. Leicht geneigt, breit, sonnig und mit einem kleinen Schlepplift ausgestattet. Perfekt.
Nach ein paar Runden sind die kleinen Beine müde. Pause ist angesagt. Direkt neben der Piste gibt es einen schönen Spielplatz, den Louise nun mit Skischuhen entert. Rutschen, Schaukeln, Schneemann Bauen und eine kleine Brotzeit machen, während die Ziegen im Freigehege nebenan neugierig zu uns herüber schauen.
Nebenan duftet schon das Mittagessen vom Berggasthof Hocheck, aber wir wollen noch ein bisserl weiterfahren, bevor wir später auf der Sonnenterrasse auf Kaffee und Kuchen einkehren, während Louise mit ihren Freunden am Spielplatz weiter Schneemänner baut.
Papa ist schnell den Berg runtergesaust und fährt ein paar Runden Ski mit Freunden, während wir zufällig andere Freunde am Spielplatz treffen. Dorf eben. Jeder kennt jeden. Ich liebe es!
Am Abend bin ich dann noch zum Flutlicht-Skifahren verabredet. Mehrmals die Woche ist die Piste nämlich voll beleuchtet und man kann bis 21:00 seine Schwünge ziehen. Après-Ski an der Talstation inklusive.
Hey, und wer kann schon behaupten, von der Après-Ski-Bar ins eigene Bett fallen zu können?
Rodeln
Der Erlebnisberg wäre kein Erlebnisberg, wenn da nicht noch mehr zu erleben wäre, als Skifahren. Im Sommer gibt’s hier eine Sommerrodelbahn, Zip-Line, Free-Fall-Rutsche und allerhand Abenteuer.
Im Winter gibt’s dafür eine drei Kilometer lange Rodelbahn vom Gipfel weg.
Und die hat’s in sich. Mit dem Lift oder zu Fuß geht es in ca. einer Stunde bis zum Ausgangspunkt.
350 Höhenmeter gilt es bei dieser kleinen Wanderung zu überwinden – perfekt auch zum Kraxe-Tragen oder selber Laufen.
Bergab geht’s rasant und mit einigen steilen Kurven. Louise liebt die Bahn und jauchzt unten: „nochmaaal!“ Gestern sind wir nämlich hochgewandert und sind nur einmal runtergefahren. Jetzt, mit Liftpass, können wir direkt nochmal rodeln. Welch ein Luxus!
Am Abend ist sogar täglich das Rodeln bei Flutlicht möglich! Probiert es aus!
Nachtrodeln ist wirklich ein besonderes Erlebnis!
Winterwandern
Die wohl kürzeste Winterwanderung Oberbayerns führt von der Bergstation des Hocheck-Liftes zum Gipfelkreuz des Hochecks. Das braucht etwa 5 Minuten und lohnt sich allemal.
Der Name „Gletscherblick“ kommt nämlich nicht von ungefähr. Von dort oben hat man eine wunderschöne Aussicht auf die umliegende Bergwelt von den Chiemgauer Alpen bis zum Wilden Kaiser. Im Sommer grasen hier oben Kühe und Ziegen, jetzt im Winter ist’s einfach nur wunderschön, still und romantisch.
Wer etwas weiter hinaus will, der kann von dort weiter wandern bis zum höher gelegenen Schwarzenberg (ca. 1,5 Stunden, 350hm), oder hinüber in die Mühlau spazieren und bei einem Kaffee im Café Dörfl den Langläufern auf der angrenzenden Loipe zusehen (ca. 1 Stunde).
Sehr zu empfehlen ist auch die etwas längere Wanderung von Dörfl zum Brünnsteinhaus (ca. 750 hm, 2,5 Stunden).
Tipp: Die Rodelpartie hinab ist eine riesen Gaudi! Packt deswegen Eure Rodel ein, oder leiht Euch welche oben am Brünnsteinhaus!
Allerdings ist sie nur für erfahrene Rodler und nicht mit Kleinkind zu empfehlen!
Weitere lohnende Wanderziele im Winter sind der Nußlberg (Rundtour über’s Hocheck möglich), der Wildbarren (siehe Kategorie 5: Trailrun), und der kleine Schloßberg mit seinen Lamas mitten im Ort, wo nebenan beim Sportplatz auch gerodelt werden kann. Ein großer Spielplatz befindet sich ebenfalls direkt neben dem Sportplatz und dem Rodelhang.
Langlaufen
Mein Lebensziel war es immer, vom Haus weg langlaufen oder Skitour gehen zu können.
Hab’ ich geschafft – zumindest letzten Winter. Vor der Haustüre die Langlaufski angezogen und über 20 Kilometer quer durch die Loipen von Ober- und Niederaudorf geskatet.
Besonders auf der Dorfloipe im Zentrum von Oberaudorf hat man einen wunderschönen Blick auf den Zahmen und den Wilden Kaiser, aber auch die Loipen in Niederaudorf sind wirklich idyllisch und oft sehr wenig befahren.
Zum Glück!
Louise stand auch schon als Neugeborenes im Kinderwagen daneben, als ich meine Runden gezogen hab. Mittlerweile ziehe ich sie am Schlitten hinterher.
Und wenn es dann noch von Freunden einen Kaffee über den Gartenzaun direkt an der Loipe gibt, ist der Schneetag perfekt. Dorfleben pur.
Trailrun
Wart ihr schon im Schnee joggen? Laufschuhe an und los! Es ist wirklich traumhaft!
Der Oberaudorfer Rundweg, meine liebste 10-Kilometer-Runde ist im Winter das ganze Jahr über einen Lauf wert.
Wir starten am zugefrorenen Auerbach, laufen am Bachlauf entlang hinauf in Richtung Brünnstein, durchqueren kleine Waldstücke und Waldwege, bis wir an der Talstation der Bergbahn Hocheck angelangt sind. Von dort aus geht’s quer durch den Ort bis zum weiß angezuckerten Schlossberg. Wir sagen dort den Lamas hallo und biegen ab in Richtung Inndamm, wo wir neben dem halb gefrorenen tiefgrünen Fluss entlanglaufen, bis wir zurück am Auerbach, unserem Ausgangspunkt, angelangt sind.
Wer höher hinaus will, dem ist der Wildbarren sehr zu empfehlen.
Vom Tal aus sind’s via Niederaudorf gute 1000 Höhenmeter. Abzukürzen ist die Route, indem man per Fahrrad oder Auto bis nach Regau fährt und von dort aus noch knapp 600 Höhenmeter zurücklegt. Der Wildbarren ist einfach ein ehrlicher Berg. Rau, wild, ursprünglich. Deswegen lieben wir ihn. Schmale Trails, tiefe Wälder, gewaltige Aussichten auf’s Kaisermassiv und dank mangelnder Einkehrmöglichkeiten meist recht einsam.
Ihr merkt schon, es gibt viel zu erleben bei uns „dahoam“!
Kommt vorbei, wir freuen uns auf Euch!
Dez. 21, 2021 | Berggeschichten
Südtirol zum Wandern. Südtirol zum Klettern. Südtirol zum Radeln.
Doch Südtirol zum Skiurlaub haben wir noch nie ausprobiert. Seit Jahren sagen wir uns schon: „Wir müssen hier UNBEDINGT mal im Winter her!“. Jetzt haben wir es endlich geschafft.
Zurück im Eggental
Unser geliebtes Eggental, ein imposantes Südtiroler Hochtal kurz vor Bozen, kennen wir ja schon von diesem Sommer. Damals blieb uns fast die Luft weg, als wir die steile Passstraße hinauffuhren und zum ersten Mal die steilen Felszacken der Dolomiten erblickt haben. Rosengarten! Schlern! Latemar! Die ganze High-Society der Dolomiten ist hier versammelt. Wir waren völlig begeistert von den Möglichkeiten, die ein Sommerurlaub hier bietet. Wie die Verrückten sind wir gewandert, geklettert, geradelt und ich bin sogar meinen ersten Mountainbike-Trail meines Lebens gefahren. Sogar Louise fand es großartig, nicht zuletzt wegen des großartigen Milchschaums, den sie hier als „Baby-Cappuccino“ mehrmals am Tag genießen durfte. Logisch, dass wir hier unseren ersten Skiurlaub mit Kind erleben wollten, oder?
Früher, als wir noch kein Kind hatten, war Skiurlaub eine ziemlich einfache Sache: „Skifoan“ bis die Kanten glühen, danach ab in die Sauna, Abendessen und am frühen Abend todmüde ins Bett, um als Erste zu Liftbeginn wieder auf der Piste zu stehen. Es war immer eine ganz besondere Zeit im Jahr, die immer versprach, wunderschön zu werden. Wie so ein Skiurlaub mit Kleinkind aussehen soll, darüber haben wir uns bisher eigentlich wenig Gedanken gemacht. Bis Louise dieses Jahr zum dritten Geburtstag ihre ersten richtigen Ski bekommen hat und wir gedacht haben, wir probieren es einfach mal aus.
Am Weg in den Süden
Der Kofferraum war so vollgepackt, als würden wir planen, nach Lappland auszuwandern: Langlaufski, Langlaufschuhe, Alpinski, Skischuhe, Tourenski, Tourenschuhe, Telemarkski, Kinderski, Kinderskischuhe, Rodel, Zipfelbob, Helme, Taschen, Jacken, Motivationsschokolade und Wanderschuhe. Ein Sportladen sähe alt aus gegen unser Sortiment!
Früh am morgen ging die Fahrt los – den ersten Cappuccino gibt’s traditionell an der ersten Autobahn-Raststätte nach dem Brenner. Inklusive Cornetto albicocca (Croissant mit Marillenmarmeladefüllung. Wer’s nicht kennt: must-eat in Italien!). Es versprach, ein sonniger Traumtag zu werden, deswegen führte uns unsere Fahrt direkt nach Deutschnofen, einem der neun kleinen Orte des Eggentals. Dort wollten wir direkt eine der vielen Loipen ausprobieren, die das Eggental zu bieten hat.
Im Langlaufhimmel
Loipen bei uns, das sind halt Langlaufstrecken in den Bergen – Loipen in den Dolomiten, das sind Panoramastraßen! Das sind Traumpfade, das kann man sich nicht vorstellen. Sogar ganz oben, auf über 2000 Meter am Lavazépass gibt es Loipen. Beschneit. Mitten in den Dolomiten. Inklusive Hütten am Loipenrand. Ich bin schier durchgedreht, als ich den Loipenplan gesehen hab! Das nächste Mal nehmen wir direkt nur Langlaufski mit! Nagut, und lassen Louise dann vielleicht daheim. Die saß nämlich gemütlich in ihrem Schlitten, als wir gnädigerweise eine Runde auf der Loipe drehen durften. Dann hatte sie aber auch keine Lust mehr und wir haben das Programm auf Skifahren geändert. Also ab auf den Babyhang mit Louise, mein Mann Lars durfte noch ein wenig weiter langlaufen. Danach wollte Louise unbedingt das „Datel“ (Hotel) sehen.
Ein Hotel als Kindertraum
Wir haben diesmal das wunderschöne „Hotel Maria“ im Skiort Obereggen bewohnt, direkt an der Piste gelegen und -unser persönliches Highlight- als Kinderhotel zertifiziert. Kinder waren hier mehr als willkommen. Es gab Kinderessen, Kindertische, Kinderspielzimmer, Kinderpools, eine Puppe als Willkommensgeschenk (Louises neue beste Freundin) und: Kinderbetreuung! Einfach so! Das hat für uns unsere Urlaubsplanung komplett auf den Kopf gestellt. Wir konnten nun einfach jeden Tag ein paar Stunden zusammen skifahren, während Louise bestens betreut war, anstatt -wie erwartet- im Schichtbetrieb auf die Piste zu gehen.
Vom Hotel aus konnten wir schon die Rodler erspähen, die auf der breiten Rodelbahn ins Tal gesaust sind. So sind auch wir direkt mit unseren Rodeln bewaffnet per Gondel auf den Berg gefahren, um die Rodelpisten dort oben auszutesten. Louise war anfangs nicht sonderlich begeistert („zu sneeeell“), fand aber spätestens nach der Heißen Schokolade auf der Hütte doch noch ihren Spaß. Am Abend war sie dank Kinderpool und Kinderessen so müde, dass wir ganz gemütlich zu zwei unser 4-Gänge-Menü genießen konnten, während Louise in ihrem eigenen Hochbett selig vom Skifahren geträumt hat. Am nächsten Tag war nämlich Louises großer Tag: ihr erster Tag Skikurs!
Louises großer Tag
Louises Skilehrer Felix hatte nämlich das Vergnügen, Louise während der nächsten drei Tage für jeweils eine Stunde in die Kunst des „Pizza-Pommes“-Skifahrens einzuführen. Der Zauberteppich war das absolute Highlight, Felix der „Zauberlehrer“, für den wurde sogar im Schlafanzug noch „Pizza“ geübt. Nach zwei Tagen Hungermüdepipikalt ging’s mit dem Bremsen tatsächlich am dritten Tag plötzlich, und sie durfte mit uns sogar ganz hoch mit dem Sessellift, um auch mal italienische Höhenluft zu schnuppern. Wir Erwachsenen waren ohnehin völlig hin und weg von diesem hübschen Skigebiet Latemar, das uns mit perfekt präparierten Pisten, gemütlichen Hütten und einer Traumkulisse begeistert hat. Unser Skipass hätte sogar auch noch für das Klimaskigebiet Carezza unterhalb des Rosengartens gegolten, das als DAS Familienskigebiet gilt – wir hatten schlichtweg keine Zeit mehr, rüber zu fahren.
Klimaskigebiet? Da bin ich direkt hellhörig geworden. Skifahren ist ja grundsätzlich leider wenig umweltfreundlich, weswegen ich auch die letzten Jahre das Pistenskifahren schweren Herzens komplett ausgelassen habe. Carezza Dolomites bemüht sich, bis 2025 klimaneutral zu werden, nutzt erneuerbare Energien für Liftanlagen und Beschneiun und führt immer mehr Maßnahmen ein, um Skifahren „grüner“ werden zu lassen. Ein Anfang. Immerhin!
Weihnachtszauber am Karer See
Da wir am letzten Wochenende vor Weihnachten in Südtirol waren, erwartete uns noch ein besonderes Highlight: der Weihnachtszauber am Karer See. Rund um den idyllischen Karer See findet im Advent ein Weihnachtsmarkt statt, der an Schönheit wirklich nicht zu überbieten ist. Kerzen säumen den Rundweg um den gefrorenen Bergsee, kleine Buden leuchten zwischen den dunklen schneebedeckten Bäumen und die zackigen Spitzen der Dolomiten erstrahlen in dunklem rot kurz bevor die Sonne untergeht und die Szenerie in weihnachtliches Dämmerlicht taucht. Sogar Louise hat mal kurz aufgehört zu plappern und beeindruckt auf die glühenden Berggipfel gestarrt.
Ihr merkt schon, wir haben viel erlebt in den vier Tagen im Paradies.
Ihr könnt Euch vorstellen, es war viel zu kurz.
Wir haben uns gerade dran gewöhnt an den Südtiroler Rhythmus aus Espresso, Cornetto, Skikurs, Kinderbetreuung, Spinatknödel, Skifahren, Rodeln, Pool, Aperol und Abendessen. Wiederholung folgt. Da bin ich mir sicher!
Hier geht’s zum Eggental
Hier geht’s nach Carezza
Hier geht’s zu unserem Sommerurlaub im Eggental
Nov. 12, 2021 | Berggeschichten, Draussenkind
Herbstliche Wanderung hoch über Oberaudorf
Was wir ja alle im letzten Jahr unfreiwillig lernen mussten, war das: zuhause Bleiben.
Zum Glück ist’s bei uns zuhause sowas von schön, dass wir dadurch mittlerweile gar keinen Grund mehr sehen, uns von hier überhaupt wegzubewegen.
Es gibt so viel zu erwandern, „erradeln“, „erklettern“ und bald auch wieder „er-skitouren“, da reicht ein Radius von ein paar Kilometern rund um die eigene Wohnung komplett aus, um genügend Bergabenteuer erleben zu können.
Und dennoch hat man das Gefühl, überall viel zu selten zu sein.
Ganz besonders an den Tatzelwurm-Wasserfällen ist man viel zu selten, denn da ist’s einfach immer schön und noch dazu jeden Tag komplett anders.
Von Tanzwürmern und wilden Sagen
Doch was hat’s eigentlich auf sich mit diesem Tatzelwurm?
„Hä? Was fürn Wurm?“ fragt natürlich Louise direkt. „Ein Tanz-Wurm?“.
Der Tatzelwurm, der tanzt zwar nicht, aber um den ranken sich allerhand mystische Sagen.
Ein wildes Tier war er auf jeden Fall, ein Halbdrache mit wilden Klauen und dem Kopf einer Raubkatze (Tatzen) und einem reptilienartigen langen Körper (Wurm).
Bis zu zwei Meter soll er laut Augenzeugen lang gewesen sein, scharfe, spitze Zähne hatte er und noch dazu Fledermausflügel.
Gewohnt hat er angeblich oben in der Gumpeischlucht, an den heutigen Wasserfällen. Dort rauscht das Wasser tosend durch den Fels und stürzt sich über zwei Felssprünge hinab in Richtung Tal.
Arme Pilger, die den Auerbach entlang hinaufgepilgert sind, soll er verschlungen haben, während Rauch aus seinen Nüstern drang.
Wildes Wasser und bunte Wälder
Wir sind heute mit dem Fahrrad unterwegs. Unser Ziel: die Tatzelwurm-Wasserfälle. Von dort aus wollen wir hinüber wandern zum Berggasthof Hummelei.
Nachdem wir von Oberaudorf aus die steile Straße bis zum Tatzelwurm hochgestrampelt sind und unsere Radl geparkt haben, führt uns ein schmaler, wunderschöner Steig durch den bunten Herbstwald in wenigen Gehminuten hinab zu den Wasserfällen. Louise ist topfit und rennt voraus, denn die durfte ja bei mir am Radl sitzen, während ich nach der Bergfahrt erstmal eine kurze Verschnaufpause brauche.
Auf einer Holzbrücke stehen wir über den Wasser und können zuschauen, wie sich der Auerbach hier in die Tiefe stürzt. Wild sieht das Wasser hier aus. Laut und kalt und unberechenbar. Kaum zu glauben, dass dasselbe Wasser kurz danach bei uns zuhause als gemütlicher, kleiner Gebirgsbach vorbeifließt und im Sommer zum Baden und Staudamm Bauen einlädt.
Wir standen heute wirklich lang auf der Brücke, haben wirklich lang geschaut, aber wir haben keinen Tatzelwurm gesehen. Zum Glück.
Vom Tatzelwurm zur Hummelei
Und wir haben heute noch einiges vor! Wir radeln ein Stückerl weiter über einen Forstweg zurück in Richtung Oberaudorf. Oberhalb der Fahrstraße, die von Oberaudorf zum Tatzelwurm führt, schlängelt sich hier ein Weg entlang, den wir heute bis zu unserem Zielpunkt, dem Berggasthof Hummelei, wandern wollen.
Nach einiger Zeit verlassen wir den bunten Wald und treten hinaus auf eine Anhöhe, wo uns eine wunderschöne Aussicht auf den Wilden Kaiser vor uns und den Brünnstein zu unserer Rechten erwartet. Ein paar Kühe grasen gemütlich auf der Weide und wir machen es uns windgeschützt vor einem Holzstoß gemütlich und machen erstmal Brotzeit.
Unsere Radl lassen wir nämlich nun stehen und wandern zu Fuß weiter hinab zur Hummelei.
Über weite Wiesen geht es vorbei an schönen Bauernhöfen und alten Obstbäumen. Hühner picken in der Wiese, Schafe grasen nebenan und immer wieder spitzt der Wilde Kaiser durch die Bäume und belohnt uns mit beeindruckender Aussicht.
Wir passieren die Weiler Schweinsteig und Antritt und gelangen bald nach Ried, wo ein besonderes Highlight auf Louise wartet: die Alpakas.
Ganz oben auf der steil abfallenden Weide entdecken wir die lustigen, kuscheligen Tiere, zu denen wir natürlich noch einen kurzen Abstecher machen. Zum Glück stehen sie alle direkt oben am Zaun und scheinen schon auf uns zu warten. Neugierig mustern sie uns und Louise begrüßt sie lautstark: „Hey, Lamas, Servus! Ich hab Euch auf meiner Laterne!“
Sankt Martin naht, wir singen seit Wochen nichts anderes als Laternenlieder und dieses Jahr zieren flauschige Lamas Louises Kindergarten-Laterne.
Wie praktisch, dass wir die jetzt „ganz ganz in echt mit ohne Laterne“ hier oben am Berg treffen.
Nach einer zweiten Pause bei den Laternen-Tieren geht das letzte Stück der Wanderung steil bergab bis zum Berggasthof Hummelei, wo uns der beste Kaiserschmarrn von ganz Oberaudorf erwartet. Traumblick auf den Kaiser, Oberaudorf und das Inntal inklusive.
„Jetz hamma garkeinen Tanzwurm gesehen“ stellt Louise fest. „aber dafür Laternenlamas und Kühe. Mag ich eh lieber“
Na, da haben wir Glück gehabt. Und wenn wir wiederkommen, gibt’s bestimmt schon Schneelamas und die Wasserfälle ziert eine dicke Eisschicht. Denn wir kommen ja bald wieder, das haben wir uns ja eigentlich versprochen…
Wanderung vom Tatzelwurm zur Hummelei: gemütliche Wanderung, meist über Forstwege und Straßen, dank der Steilheit am Schluss (bergab!) aber nur bedingt kinderwagengeeignet.
6,7 km, 200hm rauf, 350hm runter. Zurück am besten per Bus (im Sommer), Fahrräder unten platzieren, oder auch die ganze Strecke per Rad bewältigen.
Sep. 27, 2021 | Berggeschichten
oder: wie ein verfressenes Pony unvergesslich wurde
Zugegeben, unser Timing war dieses Jahr nicht wirklich perfekt.
Sobald die Kindergarten-Ferien vorbei waren, sind wir in unseren Jahresurlaub gestartet.
Also 6 Wochen Vollzeit – Louise. 24 Stunden Familienzeit, ohne Pause.
Dafür habe ich dieses Jahr unseren Urlaub mal so richtig geplant!
In kurzen Etappen wollten wir mit unserem Bus in Richtung Italien gondeln, was aber letztendlich wörtlich ins Wasser gefallen ist. Das ist aber eine andere Geschichte.
Hoch oben über den Dingen
Unseren Urlaub begonnen haben wir nur 45 Minuten von uns entfernt, in der Wildschönau.
Noch nie gehört?
Die Wildschönau ist ein wunderschönes, idyllisches Hochtal in den Kitzbüheler Alpen. Hinter Kufstein, neben dem Zillertal, gegenüber vom Achensee. So ungefähr.
Ich hab dort Skifahren gelernt. Vor geschmeidigen 30 Jahren. Es wird also höchste Zeit dorthin zurückzukehren!
Und diesmal habe ich sogar einen richtigen Plan ausgeheckt, was wir alles unternehmen wollen in den nächsten Tagen – die Auswahl ist nämlich endlos und ich weiß garnicht, wo wir eigentlich anfangen sollen! Almenwanderungen, Gipfelglück, Seilbahnfahrten, Drachenland, Ponyreiten, Museen, Themenwege und Kinderparadiese locken an allen Ecken.
Wie so ein Miniaturwunderland in der wahren Welt wirkt es hier oben. Weit weg von der realen Welt.
Ganz bewusst verzichten wir auch auf Zeitungslektüre, Fernsehen und sonstige Nachrichten-Berieselung. Einfach im hier und jetzt sein. Über allen Problemen stehen, sozusagen. Familienzeit deluxe.
Im Kinder-Paradies
Wir haben für unsere ersten auf Reisen im Hotel eingecheckt. Das befindet sich praktischerweise direkt neben dem neu eröffneten Drachental mitten im Ortszentrum von Oberau. Downtown-Wildschönau sozusagen.
Das Drachental ist ein wunderschön angelegter, riesengroßer Kinder-Spiel- und Freizeitpark für alle Altersgruppen. Ein großer Spielteich mit Wasserspielen und Floß warten auf uns, dazu Hüpfburgen, Trampoline, Kletterparcours, Schaukeln, Rutschen, Kugelbahnen, Kinder-Biketrails und vieles mehr. Alles in die Natur eingebunden, nagelneu, durchdacht und wirklich schön.
Eher leise als laut, eher gemütlich als aufgeregt.
Ganz bewusst sollen hier unten im Tal Einheimische und Besucher zusammen Zeit verbringen können. Ohne Eintrittsgebühren, ohne Liftticket.
Lieber Herr Bürgermeister, ich will bitte auch sowas bei uns daheim!
Tag 1: Drachental & Markbachjoch
Louise klettert im Drachental wie verrückt auf den Balancierbalken herum, kraxelt ins Drachenmaul, schmeißt ihre Schuhe von sich und stürzt sich in den kleinen Wasserpark.
Fühlen, sehen, bewegen, entdecken und dabei spielerisch die Gesetze der Natur kennenlernen.
Genau mein Ding. Louise ist auf jeden Fall beschäftigt, mein Mann saust zur Gaudi mit seinem Mountainbike durch den kleinen Bikepark nebenan und ich stecke die Füße ins Wasser und genieße die wärmende Septembersonne, bis wieder ein lautes „Maaamaaaa“ ertönt.
„Was machen wir jeeeeetzt?!“
Wie wär’s mit Liftfahren?
In jeder Hotelübernachtung in der Wildschönau inkludiert ist nämlich die Wildschönau-Card.
Damit kann man kostenlos mit den Seilbahnen fahren, ins Museum gehen, im Schwimmbad plantschen und vieles mehr. Perfekt für unsere kleine Seilbahn-Närrin Louise. Täglich auffi aufn Berg. Mit jedem Lift einmal, natürlich.
Also ab auf die Radl, runter ins nächste Dorf, rein in die Seilbahn und schon kurze Zeit später begrüßt uns eine Kuh an der Bergstation Markbachjoch, die uns neugierig beschnuppert.
Wir wandern in der schon tiefstehenden Sonne gemütlich zum nahe gelegenen Gipfelkreuz, bauen mit Louise Wichtelhäuser und spielen Kuhfladen-Weitwurf. Kein Höhenmeter-Stress, kein Gipfelfieber. Familienzeit pur.
Und das Ganze gibt’s auch noch mit Paradeblick auf den Wilden Kaiser und unser Heimatdorf hinter der Grenze. So fern, und doch so nah.
Nach einer ausgiebigen Plantsch-Runde im Hotelpool ist Louise passenderweise sowas von fertig und beschert uns einen gemütlichen Abend zu Zweit inklusive Aperitif und 4-Gänge-Menü. Was will man mehr?
Tag 2: Ponyreiten & Schatzberg
Am nächsten Morgen steht ein ganz besonderer Besuch auf dem Programm: Trixie wartet auf uns am Ponyhof.
Trixie ist das verfressenste Pony, das man sich nur vorstellen kann.
Hat null Interesse, auch nur einen Meter zu laufen, ist dafür aber unentwegt auf der Suche nach neuen Delikatessen. Eigentlich wie Louise auch.
Wir haben die Ehre, mit ihr spazieren zu gehen und sollen dabei aufpassen, dass sie nicht so viel frisst. Ha, ha. Ab der ersten Minute zerrt sie an ihrer Leine und steuert schnurstracks in die nächste Wiese, aus der wir sie kaum mehr herausbekommen.
Louise hat sich kurz getraut, sich auf Trixies Rücken zu setzen, bis diese im Laufschritt um 90 Grad gewendet hat, um Frühstücks-Nachschub zu besorgen.
Gut, Louise runter vom Pony, rauf auf dem Arm und Trixie an der Leine.
Zurück in den Stall. Mittagessen. Ha, ha.
Ein Pferdefan wird Louise wohl nicht mehr. Ist mir ja eigentlich ganz recht.
In diesem Sinne, DANKE Trixie, du coole Socke!
Ab auf den Schatzberg!
Die nächste Seilbahnfahrt wartet auf uns! Würde mir ja nie einfallen, 25€ zu bezahlen, um auf den Berg gefahren zu werden, aber mit der Wildschönau Card macht’s echt Gaudi!
Wir radeln schnell rüber zur Gondel, und schon schweben wir in Richtung Gipfel.
Oben am Schatzberg erwartet uns ein reines Farbenmeer.
Rot, gelb, lila, grün. In allen Schattierungen leuchten die Heidelbeer- und Erikafelder zu unseren Füßen.
Der Herbst am Berg ist einfach magisch!
Laut Louise war der Osterhase da und hat seinen Farbeimer am Berg umgeschmissen. Kann gut sein, so wie es hier ausschaut!
Wir wandern einen kleinen Rundweg zu einem Speichersee, bauen Steinmännchen und machen ein kleines Picknick am Gipfel, bevor’s wieder zurück ins Tal geht. Die Sonne geht schon fast unter und Louise will -natürlich- nochmal ins Drachental. Klar, spiel Dich müde. Ist mir recht!
Tag 3: Holzmuseum & Thierbach
„Louise, was magstn heute machen?“
„Einkaufen gehen. Für Trixie. Die hat so Hunger. Armes Poonyy.“
Schluchz, ja, arme Trixie. Ich denke, sie überlebt auch ohne Louises Almosen ganz gut.
Also satteln wir lieber die Radl statt das Pony und sausen ins Holzmuseum.
Ich muss zugeben, ich hasse Museen.
Aber das 1. Tiroler Holzmuseum ist wirklich ein absolutes Must-See!
Von privater Hand geführt erwartet uns ein uriges, verwinkeltes Holzhaus mit 59 nach verschiedenen Themen gegliederten Ausstellungsräumen. Über 3000 Exponate sind hier in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragen worden, die uns wirklich alles über das Holz erzählen.
Ob aus technischer, heilkundlicher, kultureller, geschichtlicher oder kindgerechter Perspektive – hier findet einfach jeder was.
Louise saust sofort zum Pumuckl-Turm, kraxelt, testet, spielt.
Mein Mann kommt aus dem Staunen sowieso nicht mehr raus und schwirrt stundenlang mit leuchtenden Augen durch die Räume.
Wie Janoschs „Wolkenzimmerhaus“ sieht’s hier aus. Falls ihr das schon kennt.
Wir versprechen, dass wir mit Opa bald wiederkommen und radeln 300 Höhenmeter hinauf nach Thierbach, Tirols höchstem Almdorf.
Dort beginnt der Elfenweg, ein Themen-Wanderweg genau nach Louises Geschmack.
Auf diesem Rundweg sind nämlich die Elfen eingezogen und überall am Wegesrand erhaschen wir den Blick auf kleine Wichtelhäuser, geschnitzte Figuren und andere Spuren, die die Elfen hinterlassen haben. Spielplatz, Holzschaukeln und Kletterbalken dürfen natürlich auch nicht fehlen.
Die Einkehr im Sollererwirt danach wird zu unserem kulinarischen Highlight.
Wir gönnen uns einfach mal am Nachmittag ein Achterl Gelben Muskateller und speisen dazu richtig, richtig gut. Louise turnt am Spielplatz gegenüber herum, saust mit den Gokarts durch den Hof und labert die Alpakas voll.
Die sind irgendwann taub und ziehen sich in ihr Häuserl zurück.
Sorry, Alpakas, ich verstehe Euch!
Tag 4: Immer wieder Drachental
6:10 Uhr. Louise ist wach. „Jetzt gehma ins Drachental. Und dann Milchschaum trinken.“
Du hast ein Leben, kleine Luxusbiene!
Papa lässt sich breitschlagen, zu gehen und ich gönne mir eine Runde Morning-Yoga auf der Terrasse. Wir treffen uns beim Frühstück und Louise kriegt kaum Luft vor lauter Erzählungen über die Holzkugel, die der Papa ihr gekauft hat und dass die vom Drachen runtersaust und schwimmen kann und, und, und…
Schweren Herzens packen wir nun unseren Bus wieder voll und setzen unseren Weg fort in Richtung Süden. Am nächsten Tag sollen wir in der Steiermark landen, statt in Italien. Macht nix. Wir sind ja tiefenentspannt nach unseren Tagen im Miniaturwunderland.
Und Louise fragt natürlich am nächsten Morgen wieder nach Trixie. Immer wieder Trixie.
Dieses verfressene kleine Pony hat wirklich tiefen, tiefen Eindruck hinterlassen.
Juli 9, 2021 | Mamasein, Nachhaltigkeit
Wir sind eine „Fliegerfamilie“. Oma und Opa sind geflogen, mein Mann fliegt, ich fliege. Natürlich nicht als Drachen, oder Vögel, sondern als Airline-Crew.
Reisen ist unser Beruf und zuhause sein war dadurch während der letzten zehn Jahre mehr so eine Randerscheinung.
Mit Kind ändert sich das natürlich komplett. Von ein auf den anderen Tag gab’s Wochenbett statt Waikiki Beach und Apfelmus statt Moscow Mule. Am Anfang habe ich sie manchmal wahnsinnig vermisst, die Fliegerei. Das Crew-Leben, das Weg-Sein, die Zeit für sich, die man auf Reisen hat. Meine Streifzüge durch Hongkong, wuselige Märkte in Schwarzafrika, Bergtouren in den USA – bis vor Kurzem „normal“ – heute wie aus einer anderen Welt.
Und jetzt?
Genieße ich das „daheim“ sein mehr denn ich mir es je hätte vorstellen können. Wir haben, dank Kind und Kurzarbeit, das erste Mal ein „geregeltes“ Leben. Könnten theoretisch jeden Donnerstag zum Yoga gehen, müssen uns nach keinem Dienstplan richten und arbeiten keine Nächte mehr durch. Dank des letzten Corona-Jahres haben wir Zeit gehabt, Omas Garten herzurichten, eigene Kartoffeln anzubauen, Freundschaften zu knüpfen, neue Hobbies zu lernen und einfach mal „zuhause“ zu sein.
Wir finden es herrlich.
Fernweh? Manchmal schon.
Wir haben schon wirklich viel von der Welt gesehen und dadurch gelernt, wie wertvoll es ist, mitten in Europa zu leben. Sauberes Trinkwasser, ärztliche Versorgung – alles absolut keine Selbstverständlichkeit!
Dennoch möchte ich Louise genau das auch bald zeigen. Sie soll sehen, wie die Kinder in Indien, Japan, Afrika aufwachsen und soll erkennen, dass ihr „Luxus-Heidi-Leben“ in den Bergen alles andere als selbstverständlich ist. Mit ihren zwei Jahren hat sie schon jetzt 36 Flüge in ihrem Flugbuch stehen, war schon in Mamas Bauch bis nach Toronto und Shanghai unterwegs und ihre ersten Schritte hat sie an einem thailändischen Strand gewagt.
Dieses Jahr wollten wir eigentlich den Januar in Mexiko verbringen Wurde nix. Dank Corona.
Auch recht.
Den Kindern ists’s sowieso egal wo sie sind und Fernweh ist ja eigentlich doch nichts als ein Luxusproblem.
Dennoch… muss man wohl immer mal wieder weit weg, um zu merken, wie schön und privilegiert wir zuhause leben dürfen und wie klein unsere Erste-Welt-Probleme eigentlich sind im Vergleich zu den vielen Milliarden Menschen da draußen, die jeden Tag WIRKLICHE Probleme zu bewältigen haben und von unserem Heidi-Leben nur träumen dürfen.