Von Königen, Kunstwerken und dem Chef der Berge

TRAUMHAFTER BERGURLAUB MIT KIND UND CAPPUCCINO IM SÜDTIROLER EGGENTAL

Louise ist letzte Woche zweieinhalb geworden. Pünktlich zu ihrem „Halbjahresgeburtstag“ hat auch die von allen Eltern gefürchtete WARUM-Phase begonnen.

Als wir letzte Woche unsere Reisetaschen, Kraxe, Wanderschuhe, Radl und Rucksäcke in unseren Van namens Rosl gepackt haben und Louise freudig verkündet haben, dass wir morgen nach Italien fahren, kam sie prompt, die gefürchtete Frage: „WARUM?“

Meine Antwort: „Weil wir da Urlaub machen! Und in die Berge gehen. Da gibt es soo schöne Berge, du wirst Augen machen“

„Aber Berge haben wir doch hier! Sind auch schön.“

Hat sie recht, da kann man nichts dagegen sagen. Aber die Berge in Südtirol, das sind keine Berge. Das sind Kunstwerke! Warum man aber als Bergbewohner in die Berge zum Urlaub machen fährt, das geht einer Zweieinhalbjährigen verständlicherweise nicht so ganz ein. Also, kleine Frau, überzeug Dich selbst.

Zurück in Bella Italia

Unsere Reise führt uns dieses Mal ins wunderschöne Eggental. Noch nie gehört? 

Wir bisher auch nicht. Östlich von Bozen inmitten der Dolomiten gelegen trennen uns nur knappe drei Stunden Fahrtzeit von diesem Paradies. 

Umringt von den wilden Gipfeln des Rosengarten und Latemar sehe ich schon bei der Recherche im Internet, dass es eine Schande ist, dass wir bisher noch nie dort waren!

Meinen einzigen Urlaub am Fuße des Rosengartens habe ich mit acht Jahren verbracht, aber ich erinnere mich bis heute an die wilden Klettersteige dort, auf deren Besteigung ich damals so stolz war. Während der letzten Jahre haben wir jeden Sommer mindestens zwei, drei Wochen mit Bus und Kletterzeug in Südtirol verbracht, allerdings waren wir tatsächlich mehr beim Sportklettern als beim Berggehen, deswegen hat es uns bisher noch nicht in die Ecke verschlagen. Das soll sich heute ändern.

Unsere Reise beginnt früh am morgen, damit Louise noch mindestens bis zum Brenner weiterschläft. Funktioniert. Wir fahren direkt auf über 1500 Höhenmeter zum Karer See, wo wir uns früh morgens völlig allein wiederfinden. Die Sonne ist gerade aufgegangen und die schneebedeckten Felszacken spiegeln sich auf der Oberfläche des völlig glatten, glasklaren Bergsees. Wir können uns gar nicht sattsehen und sogar unser kleiner Wirbelwind Louise wird plötzlich ganz still.

Vom Karer See aus starten wir eine kleine Radltour, um die Gegend ein bisserl besser kennenzulernen. 

Über den Templweg radeln wir zur wunderschön gelegenen Stadlalm, die heute leider noch geschlossen hat. Aber wir erfahren, dass sie auch Zimmer zum Übernachten haben. Kommt definitiv auf unsere Must-Do-Liste. Der Ausblick auf die umliegenden Berge ist der reine Wahnsinn.

Aber auch wir werden dieses Mal unsere Rosl allein lassen und die Nächte im Hotel verbringen. Wir freuen uns riesig drauf! Endlich mal nicht kochen, nicht einkaufen, nicht putzen und einfach mal ein paar entspannte Tage ohne Camping-Stress verbringen. Herrlich.

Wo ist denn der Poohoool?

​Unser Hotel liegt ganz ruhig gelegen im kleinen Örtchen Petersberg und nennt sich, natürlich, Hotel Peter. 

Louise schnappt sich bei Ankunft direkt ihren Rucksack, läuft schnurstracks zur Rezeption und fragt mich auf dem Weg: „Wo ist denn der Poohooool?“

Der Pool sollte in diesem Urlaub das Wichtigste werden.

Nach einer typisch südtirolerisch-herzlichen Begrüßung durch die Chefin des Hauses, entert Louise direkt den Pool. Wie ein kleiner Korken treibt sie mit ihren riiesen rosa Schwimmflügeln im wunderschön ruhigen Pool und ist so, so stolz. Papa gibt also Schwimmkurs, ich entere Sauna, Kräuterstüberl und Sonnenterrasse und plane bei Kaffee und Kuchen unsere nächsten Tage.

Radltour in den Milchschaum-Himmel

Am nächsten Tag radeln wir nach einem ausgiebigen Frühstück direkt vor der Haustüre los zur Wallfahrtskirche Maria Weißenstein. Von dort aus geht’s weiter zum Petersberger Leger, einer süßen Alm mit Schaukel und.. tataa: einer Siebträgermaschine. Cappuccino auf der Alm! Gibt’s was besseres? Louise schlabbert auch ihren Milchschaum und findet die italienischen Berge mittlerweile offensichtlich auch ziemlich cool.

Weiter geht’s nun mit dem Radl zur Laab Alm, wo wir erneut einkehren, bevor wir über den süßen Ort Deutschnofen zurück zum Hotel radeln. Insgesamt sind wir doch fast 4 Stunden und knapp 400 Höhenmeter unterwegs und freuen uns sehr auf das nachmittägliche Kuchen-und Jausenbuffet im Hotel. Luuxuus! Das hätt ich auch gerne daheim! Und danach? Ab in den Pool. Klar. Klein-Korken muss ja wieder schwimmen üben. Heute sind zum Glück auch noch ein paar andere Familien am Pool, sodass Louise nicht der einzige kleine Springfrosch im Wasser bleibt.

Von Flowtrails und störrischen Eseln

Der nächste Tag, der Sonntag, wird mein persönliches Highlight:

Zusammen mit unseren Fahrrädern besteigen wir die Kabinenbahn Welschnofen, die uns direkt an den Fuße des Rosengartens katapultiert. Dort wollen wir unsere Radl für später deponieren und erst einmal zu Fuß die 150 Höhenmeter zur Messnerjoch Alm zurücklegen und, wenn die Schneelage es zulässt, weiter hoch zur Kölner Hütte und dem Hirzelsteig wandern.

Louise hat heute leider überhaupt gar keine Lust zu wandern und wie einen störrischen Eseln versuchen wir mit allen Tricks, sie zum Berggehen zu überreden. Aber der kleine Esel mag nicht. Also tragen wir sie mit mehr oder weniger Protest bis kurz oberhalb der Messnerjoch Alm, um wenigstens einen Blick auf das Rosengarten Massiv und das gegenüber liegende Latemar zu erhaschen. Die Kulisse ist der WAHNSINN! 

Diese ganzen Berge hier haben einfach nichts zu tun mit unseren oberbayrischen Waldhügeln. Das sind Könige! Kunstwerke! Die Chefs unter den Bergen! Sorry, Heuberg, ich mag Dich auch, aber diese italienischen Namen gepaart mit diesem umwerfenden Aussehen… aber mit Catinaccio, Vajolet, Sforcella und Re Laurino können wir in Bayern nicht mithalten.

Wenn das nicht schon genug wäre, wartet am Weg nach unten noch ein ganz besonderes Highlight: der Carezza Trail. 

Unsere Radl warten ja noch an der Liftstation auf uns und talwärts geht’s nun über meinen allerersten Flowtrail. 

Ich bin ja eigentlich kein großer Radler, aber es macht echt riesig Spaß. Ich will unbedingt wiederkommen, allein schon für den Trail. 

Am nächsten Tag können Lars und Ich sogar noch ein bisserl Bike-Technik im BikePark Deutschnofen trainieren und ich bin mir sicher, dass es beim zweiten Mal schon viel besser gehen würde. Der Park wirkt wie ein kleiner Spielplatz für Erwachsene, mit ein paar Steilkurven und Sprüngen zum Üben, sodass sogar Louise dort gut spielen kann und wir nebenbei ein bisserl mit den Radl herumprobieren können.

Milchschaum am Spielplatz

Das Gesamte Eggental erscheint uns ohnehin wie ein riesengroßer Spielplatz.

Wir können radeln, wandern, klettern, baden, essen, Tiere besuchen und genießen und je länger wir da sind, desto mehr Ideen füllen meinen Kopf, was ich hier UNBEDINGT noch machen will.

Wir kommen auf jeden Fall bald wieder! Dann gerne ohne Schnee und mit noch mehr Zeit. Oder gleich mit viel Schnee im Winter. Wunderschöne Skigebiete gibt’s dort ja sogar auch!

Und Louise?

Die fragt seit Neuestem vor jeder Bergtour, die wir machen: „Gibts da Milchschaum?“

Ha, kleine Italienerin. So guten Milchschaum gibt’s erst in Italien wieder. Aber vielleicht weißt Du ja jetzt, warum man als Bergbewohner trotzdem Urlaub in den Bergen macht.

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